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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Die Königin von Saba
Date
1928-01-01
Page
58 (sequence 1)
Language
German
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DIE KONIGIN VON SABA Nach der Niederlage und dem Selbstmorde des Königs Theodor von Abessinien und der Erstürmung von Magdala im Jahre 1868 brachte die britische Armee zahlreiche äthiopische Manuskripte nach England, die dem British Museum einverleibt wurden. Unter diesen befanden sich zwei Abschriften der ,,Kebra Nagast" („Ruhm der Könige"), eines alten in Abessinien in hoher Verehrung stehenden Schriftwerkes, welches die Beweise dafür anführt, daß das Königshaus des Landes von König Salomo und der Königin von Saba abstamme. Im Jahre 1872 wandte sich der König Johann IV. an die englische Regierung mit dem Anliegen, ihm dieses Buch zurückzugeben, denn sein Volk wolle ihm sonst nicht gehorchen. Das Kuratorium des British Museum sandte ihm darauf zwei Kopien zurück. Die in London verbliebene Abschrift, auf etwa 1320 zu datieren, ist oirensichllich eine äthiopische Übersetzung eines viel früheren Werkes. Sir E. A. Wallis Buclge hat sie vor wenigen Jahren ins Englische übertragen. Aus der „Kebra Nagasl", aber auch aus der Bibel*) wie aus dem Koran und den in Abessinien umlaufenden Legenden können Überlieferungen gesammelt werden, die auf den historischen Charakter der Königin von Saba, die um das Jahr 1000 vor der heule üblichen Zeitrechnung gelebt hat, und ihre romanhafte Begegnung mit König Salomo hinweisen. Diese Sagen, soweit sie auch in dem „Kobra Nagast" ihre Bestätigung finden, seien hier in einer fortlaufenden Erzählung zusammengefaßt. Die Königin, in der „Kebra Nagast" M a k e d a, im Koran B e 1 k i s genannt, residierte in Saba, etwa 200 Meilen nördlich von Aden, im Lande der Sabäer, der Bewohner Südarabiens. Ihr Reich erstreckte sich *) Der Targum Scheni weiß von einem Liebesroman des Königs Salomo mit der Königin von Saba zu erzählen; auch I Könige 10, 13 wird in diesem Sinne gedeutet. Anm. d. "Übers. über die Meerenge Bab el Mandeb tief nach Ostafrika hinein bis nach Äthiopien. Sie entstammte einer Dynastie sabäischer Könige, deren fünf, nach einem in Oxford befindlichen Manuskript Arävvi, Angabo, Gildur, Siebado und Kawuasya hießen. Sie dürfte arabischer Abstammung gewesen sein, wohl kaum eine Negerin, wie man aus ihrer Beziehung zu Äthiopien vermuten könnte. Die Überlieferung schildert sie als schön und klug, weiß aber, was charakteristisch ist, auch von einem Schönheitsfehler zu berichten. Die Beine der Herrscherin sollen zu stark behaart gewesen sein, um dem damaligen Schönheilsideal gerecht zu werden, galantere Erzähler schränken dies auf ein Haarbüschel an einer Ferse ein. Obwohl das Reich der Königin große Ausdehnung halle und in Wohlstand blühte, wäre wohl keine Kunde davon zu den Völkern am Oslrande des Miltelmeerbcckens gedrungen, hätten damals nicht seefahrende Handelsleute regelmäßige Küstenreisen am Roten Meer unternommen, um nach Gold zu suchen und wohlriechende Gummiarten Südarabiens, die zur Herstellung von Parfüm und Weihrauch benötigt wurden, einzukaufen. Durch solche Kaufleule erfuhr Salomo, unter dem das jüdische Reich an Macht und politischer Bedeutung gewonnen halte und dessen luxuriöse Hofhaltung in allen Nachbarländern neidvoll besprochen wurde, vom Reichtum der Sabäer. Um sich und seinen Untertanen in diesem Gebiet ein Monopol für den Handel mit Gold und Gummi zu sichern, sandte der König Abgesandte mit reichen Ehrengeschenken ins Sabäeriand. Die Königin, die vom Glanz des Hofes in Jerusalem und den hervorragenden persönlichen Eigenschaften Salomos gehört hatte, fühlte sich durch die Ehrung, die er ihr erwies, geschmeichelt und erwiderte sie ungeachtet des Widerspruches ihrer Räte, die für eine weniger versöhnliche Antwort eintraten, durch eine Gesandtschaft, die Salomo

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