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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Jüdische Kunstfeindlichkeit
Date
1928-01-01
Page
52 (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE KUNSTFEINDLICHKEIT ir alle kennen die Behauptung, das Judentum sei seinem T ¥ Wesen nach kunstfeindlich, und diejenigen einzelnen Juden, die bedeutende Künstler seien, wären „eigentlich" Ausnahmen. Ist diese Auffassung berechigt? Wir alle wissen, daß dem rechtgläubigen Juden jegliches B i 1 dwerk verboten ist — aber muß jedes Kunstwerk unbedingt ein Bildwerk sein? Sehr beachtlich ist es zunächst, daß die beharrliche Bilderfeindlichkeit der strengen jüdischen Lehre innerhalb der alten Mittelmeerkulturen nicht völlig vereinzelt dasteht. Bildfeindlichkeit schließt, und das vor allem ist wichtig, nicht notwendig Kunstfeindlichkeit mit ein und findet gerade in diesem Sinne ihr verblüffend genaues Gegenstück in der Stellung Mohammeds und seiner Lehre zu der Frage bildlicher Darstellung, eine Stellungnahme, die unmittelbar auf jüdisches Vorbild zurückgeht. Der Islam ist nicht minder b i 1 d er feindlich wie das Judentum, aber dieser gleiche Ausgangspunkt leitet — und das gerade ist lehrreich — zu völlig verschiedenen Ergebnissen: der Islam hat es trotz strenger Einhaltung des Bilderverbotes vermocht, eine Kunst von Weltbedeutsamkeit, namentlich eine Baukunst zu schaffen, die zu den prunkvollsten und verbreitetsten Blüten neuzeitlichen Kunstschaffens überhaupt gehört. Unmittelbare Zeugen jener verrauschten Großkunst sind die Moscheen und Paläste, die sich von Südspanien (Alhambra bei Granada) bis nach Nordindien (Delhi, Agra, Dschaipur) erstrecken; Nordafrika und Ägypten, Sizilien und Syrien, Persien, Kleinasien und Südosteuropa sind in schier unübersehbarer Fülle bedeckt mit Werken jener doch durchaus bildlosen Kunst. Und die mittelbaren Einflüsse islamischer Bau- und Zierkunst erstrecken sich um vieles weiter, ja fast bis in jedes unserer Häuser — die Teppichmuster sind fast restlos im islamischen Orient verwurzelt. In dem Beispiel des Islams tritt mithin klar zutage, daß das Verbot bildlicher Darstellung keinesfalls einen Verzicht auf künstlerische Betätigung schlechthin bedeutet. Denn dies Verbot bezieht sich im Grunde ja nur auf die Abbildung lebender Wesen, insbesondere des Ebenbildes Gottes, des Menschen. Von Leo Adler ,Du sollst dir kein Bild machen:..

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