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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 736

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
Date
1927-12-01
Page
Seite 736 (sequence 2)
Language
German
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736 M E N O Ii A H freilich nur noch eines erhalten war. Wie sich auch von dem Stur/ nur die eine Hälfte in unser Jahrhunderl gerettet hatte. Sturz und Bank des Fensters bestanden aus dicken Kalksleinplalten, aus ebensolchen waren die Fensterwangen gefertigt. Für sie aber hatte man zwei je 0*43 m breite Bruchstücke von römischen Sarkophagen verwandt, deren dachförmige Oberseiten in die Mauer einbanden, während die glatten Unterseilen dem Fenster zugekehrt waren. In diesen Wangenstücken waren sowohl innen wie außen die viereckigen Löcher, wie die rechtwinkelig geführten Schmiegen für Versatzbalken erhalten. Der Mittelpfeiler und das erhaltene Säulchen sind aus anderem Material, einem feinen grauen Sandstein. Das Säulchen besitzt eine sehr steile attische Basis ohne Eckblätter und ein gegen den Schall mit Granulierung abgesetztes, reich skulptiertes Kapitell. Auf ihm sind innen gegeneinandergewendete Drachen mit zwei Füßen und rückwärts gedrehten Köpfen, verschlungen in Bandwerk, eingemeißelt, während außen nur eine symmetrische Blattwerkdekoration angebracht ist. Die Platte ist mit durchlaufendem Flechtwerk verziert. Ist das Säulenkapitell schon sehr reich, so ist bei dem Pfeilerchen, das am Sockel nur Platte und Schräge, am Kapitell eine Häufung von Kehlen und Wülsten zeigt, der Schaft noch reicher behandelt. Die Seitenflächen sind mit Flechtwerk geziert, die Rückseite zeigt einen aufstrebenden Pflanzenstengel mit symmetrisch angeordnetem Blattwerk auf den Seilen. Auf der Vorderseile aber ist dem Kapilellprofil in seiner ganzen Breite ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen vorgesetzt. Den länglich-rechteckigen Pfeilerkörper füllen, in einen gemeinsamen aus einem Rundstab gebildeten, Rahmen gefaßt, zwei Figuren. Im oberen Viertel erscheint streng frontal ein bartloses, jugendliches Antlitz mi*. gescheiteltem Haar in einer rundlich vertieften Scheibe, die in konzentrischen Kreisen geriefelt ist. Sie wirkt wie ein Heiligenschein. Der ganze untere Teil wird von der nackten Gestalt eines knieenden Mannes ausgefüllt, der nach (heraldisch) links gewandt, die rechte Hand zur linken Wange erhebt, die linke an den Rand stützt. Die Gestalt ist bärtig und trägt das gescheitelte Haar nach rückwärts gestrichen. Sie kniet auf gewelltem, stilisiertem Blattwerk. Ihre Bewegung kann als Trauer oder Flehen aufgefaßt werden. Das Bildwerk ist einzig in seiner Art. Seine Deutung ist von seiner Datierung nicht zu trennen, wir beschäftigen uns daher zuerst mit dieser. Prälat. Friedrich Schneider, der sich zuerst in drei tiefschürfenden Artikeln in der „Frankfurter Zeitung"1) mit dem merkwürdigen Fund befaßt hat, betont zunächst, daß der Adler nicht, wie in der Hohenslaufenzeit so oft ornamental als Eckmotiv an Kapitellen verwandt, sondern als selbständige Darstellung, als programmatisches Motiv, als Schutzmarke erscheint. Damit scheidet diese Zeit für die Datierung aus. Er betont weiter, daß das Fenster nichts mit der Klosleranlage des XIII. Jahrhunderts zu tun hat. Auch für älter als die sicher auf 1137 datierte Gothardskapelie am Dom erklärt er es und weist darauf hin, daß manche Einzelheilen

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