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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. 699

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Mendele Mocher Sforim
Date
1927-12-01
Page
699 (sequence 1)
Language
German
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Menclele Mocher Storiin (Zu seinem zehnten I <)(lestat> am S. Dezember) Vor zolin Jahren wurde der Schöpfer zweier Literaturen zu Grabe gelmgen. Schnlom Jakob Abrahamowilsch. der unter dem Pseudonym ..Mendele der Bücherkolporleur" in (ier jüdischen Masse volkstümlich wurde, kann sprachlich und künstlerisch als der Begründer der neuhebrüischen und der neuen jiddischen Literatur bezeichnet werden. In beiden Sprachen gab es selbstverständlich schon vor Mendele Mocher Storiin, dessen hauptsächliche literarische Tätigkeit in die zwei .Jahrzehnte, zwischen ISO)*, wo sein erstes Werk erschien, und die erste Hälfte der Achlzigerjahre fällt. Literatur, nicht nur, wie es gewöhnlich angenommen wird, religiös traditionellen, sondern auch profanen Inhaltes; dennoch hat erst das dichterische Werk des Mendele. Mocher Sforim diesen beiden Literaturen die Wege zu ihrer Entwicklung gewiesen. Die Dichtungen von Bialik, Tschernichowsky, Schimonowilsch, welche die ■hebräische, die Werke von Perez. Morris Bosenfehl, Schalom Asch, Scholem Alejehem, welche die jiddische Literatur zu einer über die Sprachen- und Volksgrenzen hinausreichenden Bedeutung brachten, wären nicht möglich ohne die Grundlagen sprachlicher und künstlerischer Art, die Mendele Mocher Sforim geschaffen hat. Als er vor zehn Jahren die Augen schloß, war das jüdische Volk um eine der stärksten geistigen Potenzen, die es besaß, ärmer. Wie bei so vielen Größen des Geistes, war das äußere Leben des Mannes, der die Entwicklung zweier Literaluren maßgeblich bestimmte, so wenig bewegt und so wenig romanhaft, daß es in kurzen Worten umrissen werden, kann. Schalom Jakob Abrahamowilsch wurde im Jahre lS:i(> in Kopyl, einem kleinen Städtchen in Litauen als Sohn einer achtbaren, wenn auch nicht vermögenden Familie geboren. Der Glieder und die Jeschiwoth in Wihiii und Minsk bezeichnen den Bildungsgang der Kinderzeit des Dichters. Der Vnler starb, als der Soli 11 14 Jahre alt war. Ein sonderbares Erlebnis führte den hSjährige.n Abrahamowilsch nach Wolhynien (er hat es später in seiner Erzählung .,Fischke der Krumme", allerdings dichterisch verklärt, wiedergegeben). Durch einen Mitbürger aus Kopyl, der unter dem Namen ..Awrejmel der Schicker'4 bekannt war, hörte der Jüngling viel von Wolhynien und Podolien, wohin damals gerade eine Art von Binncneinwanderung der Juden einsetzte. Auf die Anregung (ies erwähnten Awrejmel reiste der jungt; Abrahamowilsch mit einer Tante, die ihren verschollenen Mann suchen wollte, in dies«4 Gebiete, die damals, noch vor der jüdischen Entdeckung Amerikas, eine Art gelohtes Land darstellten. Die beiden unerfahrenen Reisenden wurden von ihrem Begleiter weidlich ausgebeutet und nur durch einen glücklichen Zufall, der Abrahamowilsch in der Nähe von Knmenetz einen Jugendgespielcn Irenen ließ, aus den Händen des Awrejmel gerettet. Unser Dichter ließ sich dann in Kamenelz nieder, und dort führte ihn der Verkehr mit dem Schriftsteller GolHoher in die Welt der osljüdisehen Aufklärung, der llaskalah, ein. Im Jahre l<Sf)(> wurde er Lehrer an der Kronschule in K;imeiielz, an der auch Goltlobcr wirkte. Nach mehrjährigem Aufenthalt übersiedelte er nach Berdilsehew, der damals volkreichsten jüdischen Gemeinde dieses Gebietes, mußte aber die Stadt im Jahre 1 So9 verlassen, da ihm sein inzwischen erschienenes dramatisches Werk ..Die Taxe", in welchem er heftige Angriffe gegen die Mißslände im jüdischen Gcmeindeleben richtete, förmliche Verfolgung einbrachte, der er nur durch die Übersiedlung nach Schilomir, dem Zentrum der ostjüdischen Aufklärung, entging. D. rl lebte Abrahamowitsch als SeilriIlsleUcr und wirkte gleichzeitig als Lehrer an der bekannten jüdischen Schult» der Stadl, um dann im Jahre 1SSI Leiter der Gemeindeschule in Odessa zu werden. In Odessa floß sein Leben gleichmäßig, wenn auch von manchem Familienmißgesehick getrübt, bis zu seinem am <S. Dezember F.M7 erfolgten Tode dahin. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens war Abrahamowilsch nur wenig schriftstellerisch tätig, er befaßte sieh in dieser Zeil hauptsächlich mit der Umarbeitung seiner Dichtungen. Es sind ihrer verhältnismäßig nicht viel an Zahl, und doch stellen sie ein gewaltiges geistiges Werk dar. [m Jährt4 LSI),') erschien, schon damals unter dem Pseudonym Mendele Mocher Sforim, Abrahaniowilscir erster jiddischer Roman ..Dos klajne Mensehale" in «der damals in Odessa erscheinenden jiddischen Zeitschrift ..Kol-Mewasser", welche eine Beilage zu dem bekannten hebräischen Organ des I laskalah-Pubiizislen Zederbauni. (hau „ITnincliz", bildete. Neben einer Anzahl von Skizzen und kleineren Erzählungen hat Mendele in jiddischer Sprache einige Romane geschrieben, die zu den reizendsten erzählenden Werken der gesamten Literatur gehören, in die Literatur überhaupt trat Mendele im Jahre 1«S<>0 mit einem hebräischen Werk ein. welches ebenso wie seine ersten jiddischen Werk«» nach Art der

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