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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. 667

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
Der Maler Leopold Gottlieb
Date
1927-11-01
Page
667 (sequence 1)
Language
German
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Der JVLaler Leopold Gottlieb Als wir vor Jahren, mitten im Krieg, diesem Maler zum erstenmal . begegnet sind, erschien er noch von vielen Unmittelbarkeilen des Lebens umstrickt. Er war als Legionär unter Pilsudsky im Felde gestanden und noch heiß von den Anblicken und Geschehnissen, die er mitgemacht. Aber manchmal schien es, als hätte er sie schon hinter sich, wie einen Traum, wie ein heroisches Gesicht. Dann kam er im Gespräch von den Personen und Begebenheiten ab und geriet unversehens auf Gestalten und Stimmungen. Das gleiche Doppelwesen zeigte damals auch sein Werk. Es waren meistens Kreidezeichnungen mit Szenen aus dem Kriegs- und Biwakleben der östlichen Freischärler und Bildnisse von Männern, die sich bei Abenteuern hervorgetan. Noch strebte der Künstler danach, das Gestrüpp der Verhaue, den Tumult im Lager, die Physiognomien und Charaktere der Kameraden getreulich wiederzugeben. Aber auf dem Weg von den Skizzen zu den Bildern war auch schon der Trieb bemerkbar, das Wirkliche zu vereinfachen, die natürliche Willkür durch die Form zu reinigen, zu beruhigen und zu vergrößern. Als wir nun, im vergangenen Frühjahr, den Maler in seinem Pariser Heim wieder antrafen, waren alle realistischen Neigungen seiner Jugend ausgelöscht, und jener, ehedem noch vielfach bedrängte Formentrieb -— Trieb und Sinn seines Temperaments — beherrschte ohne Anfechtung das Feld. Auch der Mann selbst ließ ohneweiters diese Veränderung oder genauer gesagt: diese Reife seiner eingeborenen Art erkennen. Da war nichts mehr von der friedlosen Hast früherer Jahre. Sie schien einer neuen, lieferen Unruhe gewichen: der hochgerichteten Sehnsucht des Herzens und einem abwesenden Geist, der mit Symbolen beschäftigt war. Die nervösen Gebärden, die aufflammenden Augen verrieten die Verschwiegenheiten eines Fanatikers der geformten Idee. — So erscheint heule auch sein Werk. Da sind fürs erste die Bildnisse. Beim ersten Anblick wirken die beiden Männer — der Maler M. und der katatonische Dichter S. — als zwei Kontraste: der eine ein kaller. lauernder Skeptiker, der andere ein klarer und starker, aufmerksamer Anschauer. Aber schon diese gegensätzlichen Charaktere sind nicht individuell gekennzeichnet, sondern mit allgemeiner Bedeutung umschrieben. Und diese Charaktertypen gehen nun beide Male auf in Form. Im ersten Fall erscheint sie rundlich geschlossen und geduckt, im zweiten schlank geöffnet und züngelnd. Man wird dieses alles aufsaugende Formenwesen schon hier nicht verkennen können, es ergreift nicht bloß die Haltung, es reicht bis in die Finger der Figuren. Dagegen wirken die weiblichen Bildnisse nur wie rhythmische Studien von einer behutsam erspürten fast herben Anmut. Aber den Künstler drängt es vor allem zu freien Kompositionen. Sie füllen mit nur wenig verschiedenen, rastlos erprobten Motiven seine Zeichenmappe und tauchen, ohne schon die letzte Klarheit zu

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