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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 640

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
Ahnungen und Fragen
Date
1927-11-01
Page
Seite 640 (sequence 2)
Language
German
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640 MENORAH heit über den Frommen sich erhaben fühlte. Auch der Zweifler kann ein Dummkopf, auch der Fromme ein Schuft sein, und beide — beides. Wer Gott glaubt, mag zu ihm beten, wer ihn weiß, dessen Andacht heißt Arbeit. Symbole, Plurale, Abstrakte — das sind ebenso viele Fluchtversuche aus der ersdiütternden und verwirrenden Realität der Dinge in die Spekulation, in die Metaphysik oder zu Gott. Jede gefühlsmäßige Beziehung zu Gott ist sinnlos, Auflehnung nicht minder als Ergebung. Denn der Altar, vor dem wir im Staube liegen, wie der, den wir zertrümmern wollen — wir sind es immer selbst, die ihn aufgerichtet haben. Deine Ahnung vom Göttlichen: du hältst sie für eine Frage, die du an die Unendlichkeit richtest. Doch du irrst: sie ist schon die Antwort, die dir aus der Unendlichkeit zurücktönt, und die einzige, die du zu erwarten hast. Die Idee ist ein so göttliches Ding, daß sie freiwillige Opfer wohl annehmen, ja vielleicht sogar fordern darf. Wie oft aber im Laufe der Geschichte wurde sie zum Götzen erniedrigt, auf dessen Altar man unschuldige Kinder hinschlachtete. So hoch sich der Glaube emporzuschwingen meint, an der Unendlichkeit gemessen — und hier gibt es kein anderes Maß — ist er gerade so weit von Gott entfernt wie der Zweifel. s war im Hochsommer 1830. Die englische Reisegesellschaft war I J wohlbewaffnet und auf guten Pferden von dem lateinischen Kloster in Ramleh aufgebrochen und nach einem Ritt erst durch eine anmutige Ebene, dann über steile Felsen hatte man den Ölberg erreicht. Drüben erblickte man auf hohem Abhänge eine Stadt; ringsum die alte Mauer, dort Türme, Zinnen und Tore . . . Jerusalem! Der blasse junge Engländer in dem phantastischen goldroten Mantel verschlang das Bild mit seinen glühendschwarzen Augen. Ein nie gekanntes Heimatsgefühl stieg in ihm auf. Hier, in der Stadt aus Stein, in einem Lande aus Eisen unter einem Himmel aus Feuer, fühlte er alles sich seltsam verwandt; dort die wildstrahlende Landschaft in ihrer unheimlichen Helle; hier der Sinai, von dem die Welt gelernt D1SRAELI UND PALÄSTINA Von Dr. B. Badt-Strauß

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