Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Fall Schwarzbarth
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 636 (sequence 3)
- Language
- German
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636 M E N O R A 11 sor Langevin, dessen Name in Frankreich achtunggebietenden Klang besitzt, sagte vor Gerieht: „Solange es für das, was sich in der Ukraine abgespielt hat, kein Wellgericht gibt, werden Taten wie die Schwarzbaiihs. der Ausbruch der Verzweiflung eines Einzelnen am Wellgewissen, immer möglich sein." Der kleine Uhrmacher aus Rußland, der in Paris lebt, hat aus Verzweiflung am europäischen Gewissen gehandelt und hat dem Wellgericht vorgegriffen, auf seine Weise vorgegriffen, auf die primitivste und in der Ethik der Menschheit wenigstens theoretisch schon überwundene, daß Blut wieder Blut fordert. Dies entschuldigt ihn, entschuldet ihn nicht. Wie immer der Spruch der Geschworenen über Schalom Schwarzbarlh ausfallen mag — er ist ein Opfer des geschickt konstruierten europäischen Gewissens, das man. um mit Franz Moor zu sprechen, nach Belieben auf- und zuschnallen kann. Schwarzbarlh ist dieses Opfer und mit ihm die gesamte Judenheit, die nicht seil heute, sondern schon seit Jahrhunderten vergebens an Weltgewissen und Weltgericht appelliert. Solange die Taten der Pelljura und Denikiu nicht vors Weltgericht kommen, sondern als Hilfsmittel für politische Methoden herangezogen werden, so lange ist das Wort vom Gewissen der Menschheit eine verlogene Phrase und es darf nicht wundernehmen, daß es Menschen gibt, die. zu dieser Erkenntnis gelangt, verzweifeln. Verzweiflung ist das Kennzeichen des ,.Falles" Schwarzbarth. Früher, als erwartet werden konnte, wurde der Prozeß gegen Schalom Schwarzbarlh beendet: S ch wa r z ba r t h w u r d e von den Gesell w o r e n c n e i n s t i m m i g f r e i g e s p r o c h c n. Damit ist festgestellt, daß Pctljura, den Scbwarzbarlhs Kugeln niederstreckten, der Verantwortliche für die Judenmelzeleien in der Ukraine war, festgestellt, daß diese Pogrome uugesühnt bis heule geblieben sind, so daß der Tal eines Einzelnen, die den für diese Greuel Verantwortlichen traf, das Motiv des Zwanges der Verzweiflung zugrunde liegt. Um so dringender wird die Forderung, daß jetzt endlich die Untersuchung über die Pogrome in der Ukraine vor einem kompetenten Forum (etwa dem Internationalen Gerichtshof im Haagi eröffnet wird, daß die Urheber dieser Greuel vor aller Well stigmatisiert werden, die Opfer Genugtuung erhalten. Die Pariser Geschworenen haben Schwarzbarlh freigesprochen und das laxe Gewissen Europas verurteilt. Europa muß jetzt gutmachen, was seine Politik verschuldet hat. RONSPERG, einst eine blühende Jtidcngemeinde im Westen Böhmens, welche gleich den meisten Gemeinden des Westens dem Verfalle nicht entgehen konnte, ist heule eine Berühmtheit geworden. Als die Gemeinde eine Restaurierung ihrer Mikwah (Riluallauchhad) vornahm, stieß man auf einen Stein (Mühlstein) mit hebräischer Inschrift, die folgendes besagt: „In diesem Quell-Brunnen lauchbudele Rabbi Israel Raaischem .'HOmal in den Tagen der Kalle im Jahr 1744 und sagte, daß clies-e Quelle allgemein Hilfe bringe und auch den Unfruchtbaren. Und im Jahre 1814 wurde das Haus für das Tauchbad erbaut." Diese Inschrift, welche man Rabbi Elieser Low, Verfasser des Buches ,,Schemen Rokeach", oder Rabbi Joel Rosenbaum, dem Valer des R. Bezalel Rosenbaum, letzterer nach seinem Geburlsorte R. Bezalel Ronschberg vielbekannl. zuschreibt, dürfte eine historische Bedeutung erlangen als Dokument, für die Anwesenheil Baalschems in diesen Gegenden, Seine Reisen in den Westländern sind im Munde der Chassidim Gegenstand wunderbarer Sagen. Eines Tages kam er von dort in Begleitung eines jungen Mannes. Rabbi Jechiel, den er seiner einzigen Tochter Udel zum Manne gab. Rabbi Jechiel blieb immer den Chassidim gegenüber wesensfremd und verschlossen, sie nannten ihn ..das Deutschel", Baalschem aber wertschätzte ihn als ,.e*me Seele aus dem reinen Seelensehalze". Aus der Ehe R. Jechiels und Udels fvom Schreiber d. Z. eine Ahnin) entsprossen Rabbi Mosche Chaim Efraim, Verfasser des ..Degel Machne Efraim", Rabbi Baruch aus Mezibosch und Feige, die Mutter des Rabbi Xaehmann aus Brazlew. P, J. Schapira.