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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. Seite 606

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-10-01
Page
Seite 606 (sequence 7)
Language
German
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606 ME NO R A H freies Land zu bekommen sei, hat sich weit verbreitet. Es gründeten sich in vielen Städten und Städtchen Überwanderungsgruppen, so daß die kommunistischen Behörden vor diese Frage gestellt wurden. Es war das Ende des Jahres 1924, als die jüdische Sektion der kommunistischen Partei ihren Sieg über das jüdische Bürgertum feiern durfte. Der Feind war geschlagen. Und da mußten auch die verbissensten Kommunisten, wie sie gerade in der Evsekzija sitzen, zur Überzeugung kommen, daß mit der Zerstörung der jüdischen Industrien, mit dem Niedergang des Handwerks und des Handels die Juden noch keineswegs in das glückliche Reich des Sozialismus hineingebracht werden, daß sie eher dem Hungertode zum Opfer fallen würden, als sie dahin kommen. Die Führer der Evsekzija wollten endlich auch etwas Positives für die schwer leidenden jüdischen Massen leisten, und so kamen sie auf die Idee, die spontan entstandene Kolonisationsbewegung systematisch zu entwickeln. Dieses Projekt wurde von der Regierung gutgeheißen. Es wurde ein Slaatskomitee für Landeinrichtung der werktätigen Juden (Komzet) und ihm zu Hilfe eine Gesellschaft mit demselben Zweck (Ozel) ins Leben gerufen. Wie alle sogen, gesellschaftlichen Bildungen des kommunistischen Rußlands wird auch Ozet von Kommunisten geleitet. Im In- und Auslande wurde eine großartige Agitation in dem Sinne entfacht, daß die Kolonisation ein Mittel die soziale und wirtschaftliche Lage der Juden gründlich zu verbessern sei. „Komzet" orientiere sich auf die Ansiedlung von 100.000 jüdischen Familien auf dem Lande. Die Regierung verfügte aber nicht über die nötigen Mittel für die jüdische Kolonisation. Diese ist auch unmöglich von der verarmten jüdischen Bevölkerung Rußlands zu erhalten. Und so blieb nichts übrig, als zur Hilfe des ausländischen Judentums sich zu wenden. Die bedeutendste jüdische Wohltäligkeitsorganisation „Joint Distribution Comittee", das im Jahre 1922 den Kampf mit dem Hunger in Rußland führte, hat sich für die jüdische Kolonisation in Rußland ausgesprochen und durch sein spezielles Amt, Agro-Joint, die Hauptleitung der Kolonisationsarbeit übernommen. Schon in den ersten zwei Jahren der systematischen Kolonisation 1925/26 hat man mit der Einrichtung von lO1/^ Tausend Familien begonnen. In einem so großen Umfange wurde die jüdische Kolonisation noch niemals geführt. Für die jüdische Kolonisation wurden einstweilen 195.500 Dessjatin, und zwar 115.700 Dessjatin in dem Steppengebiet der Ukraine, 58.500 Tausend Dessjatin im Steppengebiet der Krim, 18.500 Dessjatin in Weißrußland zur Verfügung gestellt. (Ein dritter Schlußartikel folgt)

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