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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. Seite 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-10-01
Page
Seite 603 (sequence 4)
Language
German
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I) I E J Ü D I S C Ii E K O L O N I S A T I () N 603 einer bedeutenden Zahl als Arbeiter in der Großindustrie unterzukommen, denn die Arbeitslosigkeit ist sehr groß und das übervölkerte russische Dort' stößt seine großen Überschüsse an Arbeitern in großen Scharen nach den Industriestädten. Die Juden gehörten gerade zu den Mittelklassen, sie waren beschäftigt im Handel, im Kleingewerbe, im Handwerk. Gerade diese Mittelklassen will der Kommunismus vernichten. Die außerordentlichen S ch w i e r i gkeiten, die für die Handwerker noch immer bestehen, Gesellen und Lehrlinge zu halten, bringt es dazu, daß die jüdische Jugend nicht weiß, was sie anfangen soll. Die Jugend geht „pust im pass", d. h. ohne jegliche Beschäftigung herum — das ist der gewöhnliche Refrain aller Korrespondenzen ans den jüdischen Kleinstädten in den jüdischen kommunistischen Zeitungen. Das ist das Ergebnis des Aufbaues des Sozialismus in diesen Städtchen. Es ist sehr charakteristisch für den gegenwärtigen Zustand von Rußland, daß die Juden ihr neuerworbenes Recht, aus dem übervölkerten Städten des gewesenen Ansiedlungsgebietes nach dem inneren. Rußland zu übersiedeln, nur in sehr bescheidenem Maße benützen, denn unter den gegebenen Bedingungen haben sie im inneren Rußland keine besseren Verdienstmöglichkeiten als in ihren alten Wohnorten1). Die wiedereröfj'ncte Börse im bolschewikischen Rußland (Zeichnung) sJus: R. Fülöp-Miller: Geist und Gesicht des Bolschewismus, Arnaltiiea-l''erlas. Wien J) In der Schrift des unlängst verstorbenen verdienstvollen Führers des Hilt'svereines der deutschen Juden, Dr. Paul Nathan (..Das Problem der Ostjuden'\ 19*2(>. Berlin, Philo-Vcrlag), glaubt der Verfasser das Problem glücklich lösen zu können, indem man die Osljudcn mit ausländischer Hilfe über die östlichen Provinzen von Rußland zerstreue. Dr. Paul Nathan glaubt anscheinend, daß im Osten von Rußland gegenwärtig für die Juden dieselben Yerdienstmöglichkeilen wie vor dem Kriege bestellen. Diese Annahme ist durchaus unberechtigt. Wäre es so, so hätten die russischen Juden, die Ozeane zu überschwimmen verstehen, diese Möglichkeiten ausgenützt, sie hätten dabei nicht auf die Hilfe ihrer westlichen Glaubensgenossen gewartet, sie hätten sich schon selber geholfen. Die einzige Stadt des inneren Rußland, die stark die Juden an sich zieht, ist Moskau, denn in einer Hauptstadt eines sozialistischen Staates ist sein ganzes Wirtschaftsleben künstlich konzentriert.

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