Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 601 (sequence 2)
- Language
- German
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DIE JÜDISCHE KOLONISATIO N GOl semitische Losung zu Ende geführt. Diese Periode des reinen Kommunismus dauerte im westlichen Rußland, wo die kommunistische Regierung nur im Jahre 1920 festen Fuß faßte, nur eine kurze Zeitspanne. Bald folgte die Verkündung der ..Neuen Wirtschaftspolitik". Auch dieses Wirtschaftssystem, das bis zum heutigen Tage besteht, vermochte keinen sicheren Boden für die Entwicklung der wirtschaftlichen Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung zu schaffen. Die neue Wirtschaftspolitik bedeutete das Einverständnis des Kommunismus mit dem vorläufigen selbständigen Bestehen der Bauernwirtschaft und der Bauernklasse. Der private Handel, die private Industrie, das Handwerk sind unter der ..Neuen Wirtschaftspolitik" gestattet. Die Regierung möchte aber den privaten Handel durch staatliche Handelsorganisationen oder durch Genossenschaften, die in Rußland auch unter staatlicher Leitung stehen, ersetzen. Die private Industrie und das Handwerk wurden als gefährliche Konkurrenten der verstaatlichten Großindustrie betrachtet. Dieser Kampf gegen die privaten Unternehmungen wurde in der Zeit der sogenannten kommunistischen Reaktion in den Jahren 1923/24 mit besonderer Schärfe geführt. Die privaten Unternehmungen wurden mit enormen und willkürlich bemessenen Steuern belastet, die Unternehmer, Händler und Handwerker wurden entrechtet und allerlei Schikanen, die nur unter einer diktatorischen Regierung möglich sind, ausgesetzt. Um die Lage des Handwerks zu charakterisieren, genügt uns. ein Zitat aus der führenden offiziellen Wirtschaftszeitung anzuführen*): ,,Das gegenwärtig bestehende System der Besteuerung von Hausgewerbetreibenden, die keine Arbeiter beschäftigen, bringt ganze Berufszweige zum Erliegen. Ein Hausgewerbetreibender, der keine Lohnarbeiter beschäftigt, braucht nur eine verhältnismäßig einfache Ausrüstung — von einer Kraftmaschine ganz zu schweigen — anzuschaffen, so beginnt man ihn als einen Unternehmer mit der Patent- und Ausgleichsteuer zu belasten. Trägt der Hausgewerbetreibende seine Erzeugnisse zum Markt oder stellt er einen Stiefel ins Fenster, so droht ihm sogleich die Handelspatentsteuer. Die Folgen für die Volkswirtschaft und besonders für die gewerblichen Genossenschaften sind bedauerlich." Die Beschäftigung von Lohnarbeitern und Lehrlingen wurde» dabei vollkommen unmöglich. Diese Politik wurde mit größter Härte der jüdischen Bevölkerung gegenüber durch die jüdische Sektion der kommunistischen Partei (Evsekzija) gehandhabt, denn diese erblickte in dem Kampf mit dem jüdischen Kleinbürgertum ihre Daseinsberechtigung. Man konfiszierte i) ..Ekonomiceskajii Zizri" vom 18. März 1925.