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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. 600

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Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-10-01
Page
600 (sequence 1)
Language
German
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Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland Von Boris Brutzkus Professor des Russischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin, ehem. Professor der landwirtschaftlichen Hochschule in Petrograd (Fortsetzung II. Die tlntstehungsbedingungen der neuen Kolonisationsbewegung. Nunmehr, ungefähr hundert Jahre später, verzeichnen wir den zweiten Versuch einer russischen Regierung, das sozial-ökonomische Lehen der Juden auf dem Wege der landwirtschaftlichen Kolonisation umzugestalten. Diesmal fußt aber die Regierung auf einer gewissen spontanen Bewegung, die unter der jüdischen Bevölkerung entstanden ist. Unter Nikolaus J. vermochten die Juden ihre wirtschaftliche Tätigkeit nicht normal zu entwickeln, da die Regierung durch ihr starres Festhalten an der überlebten ständischen Organisation der Gesellschaft jeden Fortschritt der russischen Volkswirtschaft unmöglich machte. Gegenwärtig ist die Lage der jüdischen Bevölkerung infolge der stattgefundenen allgemeinen Zersetzung der russischen Volkswirtschaft äußerst traurig. Unter den gegebenen Bedingungen vermag die jüdische Bevölkerung sogar mit ihrer Gleichberechtigung, auf die sie so lange gewartet und für die sie so lange gekämpft hat, nichts anzufangen. Der Zerfall der russischen Volkswirtschaft beginnt schon mit dem Weltkrieg. Dann folgt der Bürgerkrieg. In Ukraina und in Polessje war er mit schrecklichen Judenpogromen seitens der Konlerrevolution begleitet, vor denen die Erinnerungen an die Pogrome aus der Zarenzeit vollkommen verblassen. Die Möglichkeit solcher grausamer Ereignisse war ein Zeichen des tiefen sozialen Zerfalls Rußlands. Das spezifische Unglück Rußlands war aber die Tatsache, daß den Stürmen des äußeren Krieges und des Bürgerkrieges nicht, wie in anderen europäischen Staaten, eine ruhige Aufbautätigkeit, sondern ein verhängnisvolles Experiment, mit einem Schlage den folgerichtigen Kommunismus zu verwirklichen, folgte. Die kommunistische Regierung stellte sich geradezu zum Ziel, die bestehende Volkswirtschaft bis auf den Grund zu zerstören. Die Ausplünderung der zahlreichen, jüdischen bürgerlichen Klasse, mit der die konterrevolutionären Pogrombanden unsystematisch und unter blutigen Ausschreitungen angefangen hatten, wurde jetzt ganz systematisch auf quasilegalem Wege und ohne anü-

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