Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 596 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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596 MENORAH Während Schmiel-Jossje den Geldbeutel umwickelte und ihn in den Stiefelschaft steckte, kam der Bräutigam und rief ihn in eine Ecke: „Entschuldiget, Schwiegervater. .." Die Streimelmütze des Bräutigams saß jetzt schief und kavaliersmäßig auf einem Ohr, sein bläuliches, rasiertes Gesicht glänzte mit fettem, gesättigtem Glanz und das erblindete Äuglein blinzelte mit Wohlgefallen: „Wieviel Geld war, Schwiegervater? ..." „Was für Geld? ..fragte Schmiel-Jossje sich abwendend. „Was heißt das, was für Geld? Das Druscheh-Geschenk.. „Meinen Feinden kann ich es wünschen ... Achteinhalb Gulden ..." „Nun, wo sind die achteinhalb Gulden, Schwiegervater? .. „Uh... uh...", entgegnete Schmiel-Jossje, „was sagt Ihr zu dem Manne? ... Man hat doch eine Hochzeit gemacht, oder nicht? . . ." „Was für Hochzeit? ..." fragte der Bräutigam und reckte den Hals. „Was für Hochzeit? . . . Was für Hochzeit? .. . Was sagt man zu diesem Menschen? .. ahmte ihm Schmiel-Jossje zornig nach. — „Nu, was macht man mit ihm? .. ." „Also, gebt das Geld her, Schwiegervater... Es ist doch mein Geld .. . mein Druscheh-Geschenk Schmiel-Jossje antwortete nicht. Wie immer warf er diesem einen verdutzten halben Blick zu und spuckte aus: „Tfu .. ." Und ging fort, um mit der Braut den Mizweh-Tanz zu tanzen. Schmiel-Jossje hielt sein Schnupftuch an einem Zipfel und Breindel an dem anderen. Vater und Tochter tanzten vorgeneigt, warfen die Köpfe hin und her, ohne sieh anzusehen, wie damals, als Schmiel-Jossje aus dem Dorfe mit leerem Sacke anzukommen pflegte und an Breindel, die mit der vollen Semmelmulde auf dem Baumstumpf saß, vorbeiging. Dann kamen die anderen Gäste daran, sie entledigten sich rasch des Tanzes, denn sie waren müde und schläfrig. Sie beeilten sich zum Familientanze, sie wollten ihn hinter sich haben und nach Hause gehen: So Gott will, morgen früh müsse man zum Jahrmarkt fahren, wieder ins Dorf gehen. Zwei schwarze, kleine, plumpe Frauen umfaßten sich, hopsten gemächlich, kaum daß sie die Füße hoben. Sie wiegten sich in gleichem Takt und sahen zwei zusammengewachsenen Töpfen ähnlich. Hierauf umfaßten sich Raze und Scheindel und schlängelten sich in die Mitte hinein; dazwischen flochten sich die Jungen und Mädchen. Die Männer schürzten die Kaftanschöße über eine Hand, bildeten einen Kreis und tanzten mit gesenkten Köpfen, zunächst langsam, dann immer stärker