Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 589 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL 589 den Mädchen lachten dumm und wußten nicht, nach welcher Seite sie sich mit ihren schweren, klotzigen Füßen drehen sollten, sie stießen aneinander und machten rücklings kehrt. Jidale schrie laut und kommandierte: „Baiasse—e—e Tur dame—e—e" Fürwahr, solches hat man noch nicht gesehen. Nun, Jidale kannte man bereits. Er kam aus Tarnopol als ein förmliches Gigerl zurück, als ein vornehmer Herr und gerissener Kerl. Aber wer ist denn diese Gans da? Die Schwester des Bräutigams? Jidale „spielt"1) mit ihr eine Liebe ... Er wird sie zur Braut nehmen . . . Man sagt, daß sie mit einem Gendarm zusammenlebt ... sie hat schon zwei „Kleine" in Lemberg. . . Seid still . . . Was drängt Ihr so, Muhme Ettel . . . laßt doch wenigstens einen Ton hören. . . Aber jedesmal hielten die Musikanten inne. Der Flötist brach plötzlich mit zornigem Gekoller mittendrein ab, wie ein Hahn, der im Krähen gestört wird: t—r—r—ru—ru—u—u . .. Der Baß gab als letzter ein verspätetes Gebrüll von sich. Die Mädchen blieben, einen Fuß hochgehoben, mitten im Tanze stehen und ihre Nasen schmunzelten breit. Was ist geschehen? Stefan Bulba, der Kapellmeister, wollte jedesmal von neuem wegen des Lohnes verhandeln. Mit bäuerlicher Hartnäckigkeit schüttelte er seinen wallenden Haarschopf, schrie, man betrüge ihn, klopfte wütend seine Pfeife aus und schlug sich mit der Faust in die Brust: „Za durno take ne bude hrate. (Umsonst werde ich auch nicht spielen.) Bihme nie . . . nema nenka durnech. (Bei Gott nicht ... es gibt heutzutage keine Narren.)" Die weiblichen Hochzeitsgäste vertrösteten ihn mit guten Worten, stritten mit ihm in ukrainischer Sprache, drückten ihm ein Stück Lebkuchen, eine halbe Semmel in die Hand und versprachen ihm das Blaue vom Himmel. . . Man werde ihm alles geben, bis auf Heller und Pfennig bezahlen. Die Hochzeitsgäste werden Geld in den Zimbal werfen, aber er möge sich vorerst ein wenig gedulden, es treffe ihn doch noch nicht der Schlag . . . Der Bauer kaute die weiße, schmackhafte, jüdische Hochzeitssemmel und blieb bei seiner Behauptung, daß die Mechitunim nichts hineinwerfen und er wolle auf jüdischen Hochzeiten nicht umsonst spielen. Es müßten neue Vereinbarungen getroffen werden. Da entstand ein Getümmel, man tuschelte in allen Ecken und Enden. Die Zuschauer kicherten, platzten mit bösem Gelächter *) Eine jiddische Redewendung.