Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 586 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912876-2920626--05533-2920746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
586 MENORAH zem Flaum und seine dicke, runde, einer ausgewachsenen Kartoffel ähnlich sehende Knollennase verschwand in der Haarfülle seines grauen, bis zum Gürtel reichenden Bartes. Sein zerknüllter Hut hatte ein Loch und einen Flick. Und während er in den Zimbal hineinblickte, kniff er die Jungen und schnitt Grimassen, die das Schlucken eines Hundes nachahmten: hmmm ... Er spielte bei Schmiel-Jossje auf allen Hochzeiten und brachte, in sein Schneuztuch gewickelt, jedesmal ein Stück Lebkuchen nach Hause. Schmiel-Jossje pflegte ihn immer verwundert mit einem Auge anzusehen: „Auch eine Beschäftigung für Leute . . /' Die Stube war bereits voll. Die herausgeputzten Mädchen des Städtchens mit den schwarzen runzeligen Stirnen und den dicken Zöpfen auf den Schultern, bildeten Paare, hoben die plumpen, mit gelben Strümpfen bekleideten Füße, wiegten die Hüften und drehten sich im Reigen. Müde und hungrig, mit bleichen, aufgesprungenen Lip pen, saß Breindel in einem weißen Schleier am Rande der Bank, wie ein Mädchen, das beim Belfer flüchtigen Unterricht im Gebetbuch nimmt. Gebückt, die Hände auf dem Bauch gekreuzt, saß sie da und schlummerte. Ihr Mund stand halb offen, stumpf wie bei einem Fisch, und sie sehnte sich nach dem Klotz zurück. Draußen vor der Türe drängten sich die Zuschauer, gehüllt in ihre wochentägigen Schals; und Dudsie Burmile1) ließ nicht zuschauen. Sonst war er selbst Zuschauer bei den Hochzeiten. Er pflegte das Dach zu erklettern, um ins Fenster zu sehen, aber heute war er selbst Mechiten und nahm Rache an den Zuschauern. Der Schirm seines neuen Sabbath-Kasketts war bereits zerbrochen, hing in Fetzen herab. Unbarmherzig hieb er mit seinem dicken Stock auf die Füße der Weiber und ließ sie nicht zuschauen. „Könntest schon die Kapureh2) werden, Dudsiele Burmile, fürwahr . .. höchste Zeit. .. glaub' mir, es wird kein Loch im Himmel werden" ... fluchten die Weiber. Die Zuschauer drückten ihre verhüllten Gesichter an die eingefrorenen Scheiben. Sie wollten Breindels „deutschen" Bräutigam und Breindel als Braut sehen . . . Eine saubere Braut, diese Breindel.. . Man sagt, sie habe den Klotz zur Hochzeit eingeladen .. . Still dort! .. . Seht das Gedränge . .. Und das Drängen verlohnte sich. Solch ein Schauspiel hatte man auf den Hochzeiten in Rosdine noch nicht zu sehen bekommen. Jidale, der Tischlergehilfe, hielt galant an zwei Fingern die Schwester des Bräutigams, schritt mit ihr einher und führte die Quadrille. Die tanzenr) Etwa Tolpatseh. s) Sühnopfer.