Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 585 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL Erzählung von A. M. Fuchs Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen von Isaac Schreyer (Nachdruck verboten). Copyright 1927 by Isaac Schreyer, Vierma 7. Fortsetzung und Schluß. IX. In der Stube herrschte ein Durcheinander. Der Belfer schleppte Sessel herbei und lärmte. In Galoschen über die knarrenden Stiefletten und nagelneuen Handschuhen, den Steifhut schief aufgesetzt, erschien Jidale, Jechiel Tischlers Sohn, und half dem Bräutigam beim Ankleiden. Der hohe, steife Kragen wollte nicht zugehen. Jidale arbeitete aus Leibeskräften, er schwitzte und hatte sich dabei fast die Finger verrenkt. Das war ein tüchtiges Stück Arbeit. Der gelbe Schlips mit dem grünen Blümchen leuchtete, knackte vor Härte. Indessen handelte Jidale mit der Schwester des Bräutigams an, nannte sie Fräulein und sprach deutsch zu ihr: „Bitte, ,Freilein', tanzen Sie ,ein KadriT . . /' Und galant, wie ein Kavalier, ergriff er ihre rote, schwielige Dienstmädchenhand. Sie quietschte ausgelassen, wiewohl nicht der geringste Anlaß dazu gegeben wurde. Die heimischen Gäste, plump und aufgeblasen, in großen Perücken, aus denen man kaum die Stirne her vorsah, schieierten die Braut. Ihre Nasen hingen drohend herab, sie verargten es der Schwester des Bräutigams, daß sie sich um Breindel nicht kümmerte. Diese kleinstädtische Braut paßte ihr wohl nicht und die Verwandtschaft war darüber erbost. Heimlich warfen sie ihr giftige Blicke zu und konnten es nicht dulden, daß sie sie fortwährend essen sahen und die rotge schminkten Backen vollstopfen. Scheindale konnte sich nicht zurückhalten. Die Ohrringe baumelten zornig an ihren Ohren und sie platzte heraus, damit die andere es höre: „Was soll ich mich da fürchten vor den großstädtischen Fressern . . . hat man so was gesehn ... ' Die drei christlichen Musikanten mit den roten Nasen und frischgeschorenen, fetten Haarschöpfen stimmten in einer Ecke zwischen den Betten die Instrumente. Der zerbrochene Baß sägte brummend hin und her. Die mit Spagat zusammengehaltene Geige stieß ein dünnes, vielversprechendes Gekreisch aus, das das Herz mit Freude und Feierlichkeit streichelte. Die Flöte kollerte heiser röchelnd wie ein Truthahn. Der Zimbalist war ein Jude, hieß Leiser Zimbel und war aus Koslow. Leiser, ein stämmiger, tauber Mann, hatte die Ohren voll mit schwar-