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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 552

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Armand Lunel
Date
1927-09-01
Page
Seite 552 (sequence 5)
Language
German
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552 MENORAH galten da seine Bemühungen. Nicolo-Peccavi ist ihre Krönung geworden. — Im Sinne eines ähnlichen Okkasionalismus ist es auch zu verstehen, wenn wir jüdische Strömungen auf außerjiidische Gründe zurückführen. Als Anlaß ist der allgemeinfranzösische Regionnlismus gemeint, der lange aufgestapelten Energien, die im französischen Judaismus steckten, den ersten Anstoß gab, aufzubrechen. Die alte Kultur der Judäo-Latinen, die durch und durch mit dem Formsinn romantischen Südens durchtränkt und voll seiner konkreten Vitalität ist, wirkt sich in diesem Buch aus, das in klaren Worten zarteste Regungen wiedergibt und in ziselierten Bildern bewegte Ereignisse schildert, in dem nicht von Geschichte gesprochen wird, sondern aus dem Geschichte, Fleisch und Blut gewordene Vergangenheil, spricht. Die Legende vom Renegaten, der fluchbeladen durch die Zeiten wandert, bis Rückkehr in die Gemeinschaft seines Blutes ihm Erlösung bringt, diese jüdische Sage vom ewigen Juden ist der südliche, lebensstarke Gegenpol jener Ideologien, die zum Judentum als dem Menschentum der Zukunft aufrufen. Und alle beide, Geist oder Körper betonend, hinter sich oder vor sich weisend, sind sie der Ausdruck derselben starken Gegenwart und ihres unbeugsamen Willens zum Leben. Aurelie G o 111 i e b (Paris). Von Lüne! erschienen bisher: „Vlmagerie da Cordier." — „Occasions." — „Nicolo- Peccavi ou VAfjaire Dreyfus ä Carpentras." — „Esther de Carpentras/' — Alles im Verlage „Nouvelle Revue Frangaise". Der Lyriker Ernst ^fflaldinger An die Redaktion der „Menorah". In den einleitenden Worten, die der Veröffentlichung einer Auswahl aus meinen Gedichten vorangestellt waren, haben sich leider in einigen Sätzen sinnstörende Fehler eingeschlichen. Es ist bei einer so unzeitgemäßen Beschäftigung, wie die mit der Theorie der schönen Künste, zumal es sich hier noch dazu um eine sehr schmerzhafte Verkürzung einer umständlichen Lehre handelt, dem Selzer nicht zu verargen, daß er im Gestrüpp der ästhetischen Terminologie strauchelt. In dem Satze: ,,Daher stellt der formale Dichter, welcher der kühle dichterische Typus zu sein scheint, in Wirklichkeit sich als der eigentliche dionysische Typus dar, der objektive Dichter als der polemische Typ." hätte natürlich der Passus „der objektive Dichter" wegfallen sollen. Der dionysische Dichter allein kann zur Polemik kommen, wie Nietzsche, der Neuentdecker des Begriffes, wie Hölderlin, der dionysische Dichter im wahren Sinne des Wortes, der im ,,Hyperion" gegen seine Heimat polemisiert. Im Satze „Während die frühe Lyrik (etwa von Johann Christian Günther) ständisch, zünftisch, bürgerlich volklich war, entdeckt sie später das Spontane in der Welt, betrachtet zuerst im Impressionismus das Was, nicht das Wie......." soll es heißen: „die frühe Lyrik (etwa vor Johann Christian Günther).............betrachtet zuletzt im Impressionismus das Wie, nicht das Was......." Ich wollte natürlich sagen, daß die Lyrik des Altertums, des Mittelalters, Ausdruck eines Kollektiven, und als solche streng gebunden in der Auswahl ihrer StofTe war, während die individualistische, subjektivistische Lyrik der Neuzeit sich zuletzt im Impressionismus und für die Seite, die ich die formale zu nennen gewohnt bin, im Expressionismus, ad absurdum führt, indem sie auf jeden Reiz von innen und von außen mit der dichterischen Gegenäußerung zu reagieren autonom ist, wobei nur die Qualität, entsprechend dem Ausspruch Goethes „Das W i e entscheide, nicht das Was", den Ausschlag gibt. Zum Schlüsse muß auch anstatt „spontane und bewußte Auswahl" „spontane, unbewußte Auswahl" stehen. Ich danke Ihnen für die Aufnahme dieser Berichtigung und bin Ihr sehr ergebener Ernst Waldinger.

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