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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. 537

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-09-01
Page
537 (sequence 1)
Language
German
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Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland Von Boris Brutzkus Professor des Russischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin, ehem. Professor der landwirtschaftlichen Hochschule in Petrograd I. Die jüdische Kolonisation in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Es ist schon der zweite Fall in der Geschichte des russischen Judentums, daß eine russische Regierung in der landwirtschaftlichen Kolonisation ein radikales Mittel zur Umgestaltung des sozialökonomischen Lehens der jüdischen Bevölkerung erblickt. Zum erstenmal wurde die Kolonisation der Juden unter den Regierungen der russischen Kaiser Alexander I. und Nikolaus I. unternommen. Die russische Regierung hielt damals die wirtschaftliche Tätigkeit des größten Teiles der jüdischen Bevölkerung für unproduktiv, sogar für schädlich. Die Juden standen damals als VermitUeE, zwischen dem gutsbesitzenden Adel und den leibeigenen Bauern. Sie pachteten bei dem Adel allerlei gewinnbringende Gutsunternehmungen, besonders das Ausschanksrecht, das damals zu den Vorrechten der Gutsbesitzer gehörte. Die unter dem Einfluß des Adels stehende Regierung wälzte gerne die Verantwortung für die schlechte Lage der weißrussischen Bauern, die oft durch Hungersnöte betroffen waren, auf die Juden ab. Die Städte und Städtchen in dem sogenannten jüdischen Siedlungsgebiet waren von beschäftigungslosen Juden, von sogenannten „Luftmenschen", die zu unlauteren Geschäften neigten, überfüllt. Zur selben Zeit waren die weiten Steppen von Südrußland, die zum Ausgang des 18. Jahrhunderls erobert wurden, beinahe noch unbesiedelt. Und so entstand noch unter der Regierung Alexanders 1. die Idee, die Juden dort anzusiedeln und in die Urproduktion überzuführen. Die Juden wurden zur Übersiedlung durch Repressivmaßnahmen genötigt. Die Regierung schritt im Jahre 1807 in Weißrußland zur Massenausweisung von Juden aus den ländlichen Gegenden. Daraufhin entschieden sich viele der Ausgewiesenen, anstatt nach den überfüllten Kleinstädten, in die Steppen auszuwandern. So wurde noch im Jahre 1807 der erste Grundstein des größten Mittelpunktes der jüdischen Landwirtschaft der Welt im gewesenen Gouvernement Gherson gelegt.

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