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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 534

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-09-01
Page
Seite 534 (sequence 7)
Language
German
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534 MENORAH und wußte genau, was in der Stube vorging. Er hörte, daß der Bräutigam den Bclfer um ein Päckchen Tabak schickte; daß der Mechiten ächzend sich die Hände über dem Spülbottich wusch und laut, gemächlich, mit jener frömmelnden, sklavischen Geducktheit eines Bettlers das Gebet sprach, indem er das ,,r" scharf rollte: „Ascherrr juzarrr.. Schmiel-Jossje fuhr jedes rollende „r" wie ein Messer ins Herz. Es riß ihn förmlich, von der Pritsche hinunterzusteigen und mit dem Mechiten zu streiten. Aber, da die Weiber nach ihm gerufen haben, wollte er es justament nicht. Indessen vernahm er, wie der Mechiten, mit den zahnlosen Kinnbacken schmatzend, in den Löffel blies und sich an dem roten, heißen Barscht erquickte: „A ... a . . . ü—i—i.. Schmiel-Jossje ging die Sache schon über die Hutschnur, er konnte sich nicht länger zurückhalten; er räusperte sich, stöhnte laut auf und kroch von der Ofenpritsche hinunter. In einem Winkel legte er den Sabbatkaftan mit den zerfetzten Ellenbogen an, setzte das abgewetzte Streimel auf und begann in der Stube auf und abzugehen. Seine Stirn war gefaltet, die dichten, behaarten Brauen zogen sich zusammen. Unter dem Arm hielt er ein Walkholz: ..Schülern alejchem, Mechiten . . .", wünschte der Vater des Bräutigams mit weicher, untertäniger Stimme. . . „Sch'malejchem ..entgegnete Schmiel-Jossje zornig, mit halbem Mund und kehrte ihm den Rücken zu. Die Tische waren mit Semmeln und Sabbatkuchen beladen und es war kein Plätzchen frei. Der Mechiten aß aus dem Topfe, den er auf beiden Knien hielt. Er wollte es selbst so haben, er sei es gewöhnt, sagte er: ,,Nicht nötig, Mechiteneste, bemüht euch nicht... ich kann auch so essen . . Schmiel-Jossje wartete ungeduldig; er spitzte auf den Augenblick, bis der Mechiten den Barscht mit den Kartoffeln verzehrt haben wird. Dann wird er sich mit ihm auseinandersetzen, streiten können. Aber der Mechiten ächzte, als er zu Ende gegessen hatte, wischte sich den Bart ab, sprach laut, das „r" scharf rollend, den Segen, packte sein Bündel mit Kreuzergeschicriten, Mesuses und Zizes auf, steckte einen Teil davon in die Busentasche, küßte die Mesuseh, und gebückt, mit geschürzten Rockschößen, die durch den ,,Gartel" festgehalten wurden, ging er hügelab ins Städtchen, um bis zum Minchahgebet noch etwas zusammenzuschnorren ... Schmiel-Jossje blieb mit halboffenem Munde und hochgezogener Nase ^verdutzt stehen und schaute und schaute... (Fortsetzung folgt.)

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