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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 499

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Unsere Mutter
Date
1927-08-01
Page
Seite 499 (sequence 2)
Language
German
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UNSERE MUTTER 499 Aber nun will ich wirklich aufhören. Mit tausend Grüßen an alle Deine treue Mutter Klara. Mein lieber, guter Moritz! Sooft ich mich sehr schwach fühlle, sagte ich mir: ,,Alle Menschen machen ein Testament und verteilen ihre Güter, auch du müßtest deinen letzten Willen schreiben, nur müßtest du deine Lasten verteilen." Dachte ich aber an die Lasten, so war mir so zumute, daß ich es gern wieder hinausschob. Nun hat mir der liebe Gott so geholfen, daß ich, die nie abergläubisch war, Angst habe, mich zu freuen und mich fragen muß, womit ich mir soviel Gnade verdient habe. Fromm war und bin ich nicht, wohltätig, wie ich es verstehe, durfte ich nicht sein, weil ich nie reich war. Ein einziges Verdienst erkenne ich an: ich war eine treue Mutter und trotzdem ich einmal ein sehr verwöhntes Kind war, „bescheiden, arbeitsam und pflichttreu*'. Wenn man aber zwölf Kinder zur Welt gebracht hat, so sind diese Tugenden nichts, um alles wieder gutzumachen, und darum ist mein Glück so groß, daß ich den Neid der Götter fürchte, und mein letzter Wille wird nur lauten: ,,Seid einig!** Nun verspreche ich Dir, mein lieber Moritz, eines: ich werde ein bißchen mehr auf mich achten. Ich habe wirklich zu viel gesündigt und auf mein Alter vergessen. Aber Ihr müßt mir auch Ruhe geben und keine Reisepläne für mich machen. Viele herzliche Grüße Dir und Anna und den Kindern von Deiner treuen Mutter Klara. Lieber Moritz! Ich war gestern einen halben Tag auf und heute wieder. Wüßte ich nicht, wie gut Du bist, ich würde mich über Deine heutige Karte ärgern. Wieviel siebzigjährige Frauen gibt es, die noch so sind wie ich? Der Tod muß eine Ausrede haben — sooft ich unwohl bin, schreibt man mir die Schuld zu: ich habe zuviel gerobotet oder mich verkühlt! Ich war schon seit Monaten matt und wußte, es kommt was und habe zum Beispiel drei Wochen kein Bad genommen, obwohl ich mir jeden Tag vornahm, morgen zu baden. Seit vierzehn Tagen trage ich Wollstrümpfe, weil ich kalte Füße hatte. Das Roboten erhält mich aber am Leben. Und acht gebe ich schon auf mich, wenn auch nur aus dem Grunde, weil ich nicht für mich allein bin. Rosa besteht nämlich darauf, daß die Tür in ihr Zimmer offen bleibe, damit sie mich von ihrem Bett aus sehen kann! Wenn ich huste und sie infolgedessen noch schlechter schläft als sonst, so muß ich im Bett sitzen, damit ich weniger huste und mich ärgern, wenn ich trotzdem huste und Rosa störe, und da huste ich vor Ärger noch mehr. So, jetzt hab* ich mir mein Herz erleichtert. Tausend Grüße an Dich, die l. Anna und die Kinderl. Deine treue Mutter Klara. Vormittag, als ich auf war, schrieb ich die vorstehenden Zeilen, will Dir nun, da ich fürchte, Du wirst Dich ärgern, etwas Angenehmes dazuschreiben. Der 1. Gott hat mir meine Mühe mit Rene gelohnt, ich habe große Freude an ihm. Er hat die Aufnahme in die dritte Gymnasialklasse sehr gut bestanden. Er ist ein gutes Kind: so anspruchslos, so ruhig und brav. Ich fürchtete, die 1. Rosa würde zu nachsichtig sein, aber sie ist im Gegenteil streng zu ihm, und der Bub ist unvergleichlich brav. Du hast immer gefürchtet, ich würde mir eine Last aufladen, aber weder ich noch die 1. Rosa spüren eine solche. Er ist so wenig zu hören wie eine Fliege und vor allem musterhaft artig. Der 1. Jenny ist ein großer Gefallen erwiesen worden, und uns ist der Bub eine Freude. Nochmals die innigsten Grüße an Euch alle. Deine treue Mutter Klara. Mein lieber Moritz! Dein 1. Schreiben hat mich sehr gefreut, Du bist der einzige, der mich ganz versteht. Original englische Stoffe, im Preise bedeutend verbilligt, durch kleine Regien bei Kann & Fried ,n„ Linke Wienzeile 40 Hofe

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