Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 488 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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488 MENORAH Aber es nützte nichts. Am Feiertagsausgang herrschte in Schmiel- Jossjes Stube größte Bestürzung. Das Lämpchen auf dem Drahte rauchte mit warnender Sorge. Die Schatten auf den bleichen, kalten Wänden zitterten mürrisch; in der Stube gings drunter und drüber, alle Winkel wurden durchsucht, das Stroh aus den Betten entleert -— vergebens. Der Geldbeutel, den Schmiel-Jossje wie gewöhnlich am Vorabend des Feiertages in einem Bettwinkel, unter dem Stroh versleckt hatte, war spurlos verschwunden. Man suchte, durchstöberte alles, kehrte in der Stube das Oberste zu unterst — er war nicht zu finden. Die alte Sureh ächzte, hüstelte und fluchte dem Tischlerpack, diesen Dieben: „Dem Doktor sollen sie es weggeben müssen, lieber Vater im Himmel . . . nur dem Doktor . . Breindels Gesicht war zu einer Grimasse verzogen, ihre Ohren waren blaß und spitz. Sie stotterte mit verbissenen Zähnen unverständlich und schwer: „Der Tod über sie ... ein rascher Tod ..." Er war verschwunden, der Geldbeutel. „Verschwunden auf Nimmerwiedersehen, wie in Brody . .." sagten die Männer des Hügels in ihren Streimeln und Wochentagskamisolen und schüttelten die behaarten Köpfe mit heimlicher Schadenfreude. „Glaub mir, Vater, das kann nur Jidales Werk sein. War denn jemand anderer in der Stube?... Das ist sein Werk, Jidales...", flüsterte Scheindale dem Vater ins Ohr. Aber Schmiel-Jossje warf ihr von der Seite einen finsteren halben Blick zu und war tief unglücklich bis in die Knochen hinein... Er wußte längst, wessen Werk es war... Während er mit gesenktem Kopfe suchte, stieß er plötzlich einen furchtbaren Schrei aus, der den Enkeln galt. Die Goldbänder um die zerknüllten Kappenschirme, standen sie störend herum und halfen suchen .. . „Nach Hause, ihr Lumpen, erschlagen werde ich euch .. . Mein Blut weggeraubt . . . Diebe . . . Räuber .. . Was wollt ihr von meinem Leben . .. Räuber, die ihr seid. .." Er sprach rascher, immer rascher und fluchte mit seiner unverständlichen Stimme, die sich nun in Weinen auflöste. Die zitternden Hände betasteten ohnmächtig den Bart, die Schultern hoben sich und es sah aus, als ob er mit wahren Tränen weinte, der arme alte Mann . . . (Fortsetzung fohji.)