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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 486

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-08-01
Page
Seite 486 (sequence 3)
Language
German
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486 MENORAH Seufzer auf die heiße Ofenpritsche gekrochen war, hatte sich der Bräutigam plötzlich davongemacht. Er kam sehr spät nach Hause, als die Sonne zur Neige ging und die Fenster in feiertäglicher Röte erglühten. Schmiel-Jossje saß im Streimel über den Tisch gebeugt, an seinem, aus dem Leim gegangenen, vergilbten Psalter; die Brille auf seiner mächtigen Hakennase und in der Faust das rote Schnupftuch, sagte er Tehilim wie gewöhnlich am Sabbat und Feiertag nach dem Mittagschlaf. Seine dumpfe, tremolierende, weinerliche Stimme erging sich in jener klagenden Melodie, die die ganze jüdische Trauer in sich birgt. „Lamnazeach liwnej kojrach .. .*)" Der Bräutigam kehrte mit flammenden Wangen nach Hause, sein einziges Auge leuchtete. Und er kam nicht allein: er hatte Jidale, Jcchiel des Tischlers Sohn, mit sich gebracht. Seine Stiefletten knarrten kavaliersmäßig, der Steifhut saß ihm auf einem Ohre und sein harter, geckenhafter Schopf fiel ihm von der Stirne herab. „Gut Jontew", wünschte er, mit zwei Fingern den Schnurrbart aufz wirbelnd. ,,Gut Jontew!", entgegneten Breindel und die Mutter. Sureh bewirtete die jungen Leute mit Birnenmost. Beide tranken mit unterdrücktem Gekicher, klopften einander kameradschaftlich auf die Schultern, duzten sich und waren, wie es schien, sehr befreundet.. . Beide pfiffen und sangen in fröhlicher Stimmung und zwinkerten einander zweideutig zu: ,,Oj, oj, Ser-ke." ,,Kym cy dän Ber-ke . . Sie sprachen von Dingen, die man nicht verstand, von handwerklichen Fachsachen. Mit gespreizten, harten, schwieligen Fingern maßen sie die Stube, die Wände, den Ofen und erwägten, wo man die Vertiefung ausgraben und den deutschen Backofen hinmauern könnte. ,,Zu allererst, lieber Freund, mußt du hier unter dem Dach, verstehst du, ein Schild aufhängen", gab Jidale den Rat. „Ich werde dir ein starkes Schild aus Eichenbrettern machen, verstehst du, lieber Freund, und in Koslew wirst du deine Firma draufmalen lassen: Chaskel Moses Mesuseh . . *) Verse aus den Psalmen.

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