Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Ernst Waldinger
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 477 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ERNST WALDINGER 477 \ns der kein Weg mehr in die Stille führt. :'iul kein Besinnen unsre Unrast wendet. Und Sehnsucht, wenn sie in die Tiefe spürt, Sumjtf erstorbener Gefühle endet, ■■) kalte Raserei, sich selbst yenuy, ) tolle Hetzjagd, ohne Sinn und Ziel. Und jeder Sieg ist nur ein Selbstbetrug hn dumpfen Kampf, und ohne Schein und Spiel Kein Leid, das voll ist, und kein großes Glück, Und mit dem Schwert der Engel vor den Toren, — Auch ich bin in Arkadien geboren — Läßt keinen mehr ins Heimatland zurück. Rhapsodie unter einer Bogenlampe Kleiner magischer Kreis, Künstlicher Straßenmond, Kultes und gleißendes Weiß Wirfst du und zuckendes Blond Ul>er die Quadern und den Asphalt. Unsre Seele ist all, Und die Leidenschaft ausgebrannt; Aber die Kraft ist ewig gespannt. Licht, die Fieberquelle von Licht. Leiht uns Nerven und neue Gestalt Und ein flackernd-gereiztes Gesicht. Kleiner magischer Kreis. Kü nstlich er St raffenm o nd. Kaltes und gleißendes Weiß Wirfst du und zuckendes Blond Über die Quadern und den Asphalt. Unsre Seele ist alt, Und die Leidenschaft ausgebrannt. Aber die Kraft ist ewig gespannt Im Herzen der Zukunft, und nimmer erlahmen Die schaffenden Hände in Ewigkeit. Amen! Gesang von den mythischen Dreschern Ausholen kijklopisehc Schatten: Wie springt das Korn von dem glatten. Geebneten Boden der Tenne; Drei Drescher vom Abend umflaggt. Ich höre den Rhythmus, ich nenne Mir hymnische Worte im Takt: Schlagt nur zu! Schlagt nur zu! Gut isl Grab und Winterrull. Nebel schleicht novemberfahl. Schlagt das Brot aus Tod und Qual! Schlagt zu! Drei Knechte aus Gottes Gesinde: Wie fliegt die Spreu in die Winde Vor ihrem seraphischen Zorn; Drei Drescher, sie dreschen die Zeit, Wie häuft sich das goldene Korn, Von raschelnder Leere befreit: tu! Schlaf Flamme, die athmet und keucht. Zischend zieht dein Geleucht Furchen in den Verkehr, Die bis zur nächsten Flamme schleifen, Auf dem Pflaster tanzt du, klebrig und feucht. In strahlenden Streifen, Ein Stern auf dem Meer — Schatten von Bäumen schwankt um dich her. Wie sie sich stauen und teilen. Die Mengen, die unter dir eilen, Ein Krampf wie du, ohne Rast, Wenn dein Strahl den Menschen erfaßt, -teißt er unbarmherzig die Gier, Die Wollust vom Antlitz, und unter der Hast tu9t jagend, gejagt, ein geängstigtes Tier. Legt den alten Leib zur Ruh. Nebel schleicht novemberfahl. Schlagt das Glück aus Angst und Qua Schlagt zu! Und rafft man mich hin mit der Spreu, Der Mensch wird jünger, wird neu! Ausholen Kyklopen mit Flegeln, — Und fall ich, die Stirne zerspellt — »Sie schlagen mit dröhnenden Schlegeln Die Märsche der kommenden Welt. Schlagt nur zu! Schlagt nur zu! Nimmer kommt das Herz zur Ruh. Nebel schleicht novemberfahl. Schlagt die Zukunft aus der Qual! Schlagt zu!