Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Ein paar Liebermann-Anekdoten
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 467 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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GEORG HERMANN. Ein fiaar Li eh ermann-Anekdoten it einem Leichtsinn, den ich nicht einmal mit Jugend entschul -L T JL digen kann, habe ich zugesagt, hier einige persönliche Erinnerungen an Max Liebermann beizusteuern; aber in Wahrheit leitete mich dabei nur der Gedanke, nicht unter denen zu fehlen, die dem Meister an der Schwelle des neunten Jahrzehntes seines arbeits- und erfolgreichen Daseins seinen Gruß senden. Und es war mir lieb, daß gerade die Menorah mich dazu ermunterte. Denn das jüdische Volk hat nicht zuviel. .. (meines Wissens nur noch einen, höchstens zwei. .. den Holländer Israels und den Impressionisten Pissarro ...) Maler von Weltruhm neben ihm hervorgebracht. In jener Reihe „jüdischer Künstler", die vor bald 25 Jahren Martin Buber edierte, war mir die Aufgabe zugefallen, eine kleine Monographie Liebermanns zu schreiben; und ich versuchte, das Element jüdischen Wesens in Liebermanns Kunst festzustellen und mit Worten deutlich zu machen. Zwanzig Jahre später schrieb mir noch ein Museumsleiter darüber. .., daß er, so sehr ihn diese Frage interessiert habe, mir doch nicht beipflichten könne. Die Malerei stände als ein Absolutum eben jenseits dieser Dinge. Aber auch der Dichter Richard Dehmel fühlte vor Liebermanns Kunst ein Ähnliches. Wenigstens deutete ich den Vers aus den „Zwei Menschen" so: Und darum sollten wir das eine nicht vergessen, daß die ganze unerhörte künstlerische Leistimg seines Lebens ebenso der Welt wie dem Judentum gehört. Ja sie ist eigentlich für mich die höchste Leistung, die von Juden geschaffen werden kann. Sie ist Kunst; sie ist kulturell bedeutsam; sie ist lebenserweiternd und lebenserklärend; sie ist die Anschauung eines Einzelnen; der Extrakt der Anschauung einer Menschengruppe; . . . aber sie ist von ihm aus Besitz der menschlichen Allgemeinheit geworden, die weder nach Gruppen, noch Nationalitäten mehr geschieden ist..; sie ist ein nicht auszulöschendes Kulturgut der zivilisierten Welt geworden. Dadurch aber ist das Ansehen des Juden in den Augen der Welt gehoben worden. Was innerhalb der Judenschaft geschieht, betrifft nämlich selten die Welt... so wenig wie die innerpolitische Geschichte eines Landes oder seine spezifische Architektur es tut. Potemkin und Iwan der „Er ist mir doch zu göttlich zum Hasse. Ein so urdeutscher Menschheitstyrann, Daß nur der Vollbliitsjiide Liebermann Ihn malen könnte so ganz voll Rasse."