Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 465

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Der Künstler Liebermann
Date
1927-08-01
Page
Seite 465 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2912821-2912866-2912874-2920194--05227-2920306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DER KÜNSTLER LIEBERMANN 465 Weil Dürer (obwohl von einem Ungarn als Vater!) in Nürnberg auf die Welt kam, deshalb ist Dürer der deutsche Künstler xoct* s^o^v? Umgekehrt: Weil Dürer ein Genie war und zufällig in Nürnberg auf die Welt kam, da nennen wir deutsch, wie er gearbeitet hat? Post hoc, ergo propter hoc. Könnte Millet nicht viel eher ein Deutscher und Menzel nicht eher ein Franzose nach ihrer Arbeit sein? Der liebe Gott setzte das Genie hin. wo's gerade trifft: allein das Genie weist der Kunst die Wege — auch nicht der mächtigste Fürst/* Jüdische Modelle? „Die Modelle (für die Juden in dem Bild „Christus im Tempel") nahm ich aus den christlichen Münchener Spitälern. Da Juden sehr wenig posieren, und auch aus einem anderen Grunde, der mir bei der Wahl der Modelle Zeitlebens von Jugend an maßgebend geblieben ist. Die Juden schienen mir zu karakteristisch; sie verleiten zur Karikatur — in welchen Fehler mir Menzel verfallen zu sein scheint. Vor vielen Jahren, als ich Mommsen für Sie malen sollte, sagte ich Ihnen glaub' ich dasselbe. Mommsen war zu sehr der deutsche Professor, der überall den Regenschirm stehen läßt. — Ich bin der Uberzeugung geworden, daß Rembrandts Modelle meistens Christen waren: Das Accentuieren des Seelischen hat zur Annahme geführt, daß er meistens Juden gemalt hätte, z. B. auf der sogenannten Judenbraut sind Hendrickje und sein Sohn Titus dargestellt. Rembrandt malte den Geist der Juden." Erste Liebe, 1905: „Jetzt male ich im Judenviertel (von Amsterdam), wo ich vor länger als 30 Jahren meine ersten Studien gemacht habe. Parcequ'on revient toujours ä ses premiers amours." Man wird diesen Briefstellen nur weniges hinzufügen wollen. Sie sprechen besser für sich selbst. An hervorragende Männer des deutschen Kunstlebens — an Wilhelm von Bode, Alfred Lichtwark und Woldemar von Seidlitz — gerichtet, verteilen sie sich auf die Jahre 1894, 1905 und 1911. Es sind im ganzen sechs Epistel, darunter zwei mit nur wenigen Zeilen. Trotzdem geben sie ein außerordentlich bewegtes und reichhaltiges Bild, und das noch mehr in den Originalen als in den hier gebotenen Auszügen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.