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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 445

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Der Künstler Liebermann
Date
1927-08-01
Page
Seite 445 (sequence 2)
Language
German
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DER KÜNSTLER LIEBERMANN 445 waren die Liebermanns. Der Großvater war im Jahre 1824 nach Berlin eingewandert und hatte eine Fabrik für bedruckte Kattune begründet mit englischen Maschinen, die eine kühne Neuerung bedeuteten. Er wurde Kommerzienrat und stellte sich bei einer Audienz Friedrich Wilhelm III. mit den Worten vor: „Ich bin der Liebermann, der die Engländer vom Kontinent vertrieben hat." „Mein seliger Vater" baute den Betrieb aus und erwarb das echt altberlinische Großbürgerhaus neben dem Brandenburger Tor, in dem der Maler jetzt residiert und den Traditionen getreu lebt. Die Mutter des Künstlers war eine Haller. Ihre Familie war zur Zeit des Großen Kurfürsten aus Wien nach Berlin gekommen. Den Kindern dieses Kreises wurde jede Möglichkeit zur Ausbildung gegeben. Grundlage war die deutsche humanistische Bildung, an der ja die Juden seit Moses Mendelssohn entschieden teilnahmen. Man kennt den rührenden Brief der Mutter Heines, in dem sie in jiddischer Sprache und hebräischer Schrift ihre Kinder beschwört, deutsch zu bleiben. In den gebildeten Schichten war ein Deutschtum im höchsten Sinne, Zusammenhang mit der Kultur des Volkes, seinen größten Leistungen auf geistigem Gebiet, seinem Denken und Fühlen selbstverständlich. Was freilich nicht hinderte, daß man auch über die Grenzen sah und sich nicht ins Nationale oder gar Lokale einschließen ließ. Wenn Dummheit später dem Juden das Deutschtum glaubte absprechen zu können, und es eine „Deutschkunde" für Schulen gibt, in der Liebermanns Namen nicht einmal genannt wird, so hat Wilhelm v. Bode darauf die klare Antwort gegeben, als er ihn an seinem 70. Geburtstag den „deutschesten" Künstler nannte. Natürlich tritt Deutschtum in einer Persönlichkeit immer nur in einer seiner vielen Formen auf. Im Falle Liebermanns war es die preußisch-berlinische, die in der Kunst durch die Linie Schadow, Schinkel, Menzel vertreten wird. Ihr Grundzug ist die Ablehnung alles dessen, was unser Volk hier zusammenfassend als „Oper" bezeichnet, alles dessen, was laut, phrasenhaft oder gar pathetisch ist. (Den Menschen draußen wird dieser Satz merkwürdig vorkommen, weil sie an das wilhelminische Berlin denken, das ja in der Tat alle diese Züge hatte. Es war in der Tat der Tradition untreu geworden, die aber von einer starken Opposition und Kritik immer aufrecht erhalten wurde.) Positiv ausgedrückt bedeutet diese Form höchsten Respekt vor der Wahrheit und strengste Disziplin. In den Biographien Liebermanns wird fast immer der Vorteil betont, den seine Herkunft ihm brachte: die Unabhängigkeit des Sohnes

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