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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Die Pflege unserer Kunstdenkmäler
Date
1927-06-01
Page
Seite 418 (sequence 2)
Language
German
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418 MENORAH ausgeschnitten und ohne Rücksicht, ob sie zueinander passen, auf dem häßlichsten roten Samt zusammengenäht. So entsteht aus vielen guten alten Stücken ein „Renoviertes". Die künstlerisch wertvollen Altsilbergegenstände übergibt man einem Klempner zur Reparatur. Friedhöfe, noch vor 20 Jahren ein Sammelpunkt interessanter Steinmetzarbeiten, bilden heute ein einziges mit Unkraut bewachsenes Feld, unter dessen Humusboden Tausende von umgefallenen Mezowoth verborgen sind. Leider haben nicht nur die Juden der alten Gasse das Verständnis für die künstlerische Tradition verloren. Sie teilen diesen Mangel an Zusammenhang mit den Juden der Assimilation und denen, die sich der nationalen Bewegung angeschlossen haben. Erst seit kurzer Zeit beginnt man den Faden der Tradition im Volke neu zu knüpfen. In öffentlichen Sammlungen, in jüdischem Privatbesitz, im „Jüdischen Museum" ist mancher Rest vergangenen Schaffens in sorgsame Obhut genommen worden. Hoffentlich wird es auch gelingen, die notwendigen Mittel eines Tages aufzutreiben, um eine Registrierung, die erst das Material für historische Studien bilden könnte, vorzunehmen. Findet man doch die Mittel, um die Kunst der primitiven Völker zu studieren, vielleicht wird man auch die jüdische Kunst entdecken. In Lemberg erfolgte vor zwei Jahren der erste Schritt auf diesem Wege. Ein Kuratorium zur „Obhut jüdischer Kunstdenkmäler" wurde innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde gegründet. In Lemberg selbst wurden über 200 Objekte von künstlerischem Werte beschrieben und registriert, vorhandene Aufschriften auf den Gegenständen, Autorzeichen, Punzen, abgelesen. Sehr wertvolle Stücke (bis heute 60) wurden von Fachleuten repariert, photographiert oder zeichnerisch, auch in farbigen Aufnahmen, festgehalten und dann den Eigentümern wieder zurückgestellt. Ausflüge in die Provinzorte gaben Kunde von Schätzen, die vor aller Augen verwahrlosen und zugrundegehen. Der Verband der jüdischen Kultusgemeinden in Polen, dessen Gründung für die nächsten Jahre erwartet wird, muß eine seiner schönsten Aufgaben darin sehen, jüdische Kulturarbeit von Jahrhunderten vor gänzlicher Vernichtung und Vergessenwerden zu schützen. Das Eingreifen von zielbewußten, mit entsprechenden Mitteln ausgestatteten Organisationen, die sich nicht auf ein Land beschränken, sondern ihre Tätigkeit auf alle alten Wohnstätten der Ost- und Westjudenheit ausdehnen würden, könnte hier Hilfe schaffen. Viel Zeit ist nicht mehr . . . LEIB NAIDUS / ZWEI Gl Knosfien Knospen schlafen . . . Stille, stille! Knospen . . . zart, mein Kind, wie Du . .. 's weht ein Hauch im Land . . . Sein Wille schweige! Hauch, stör' nicht die Ruh! Knospen schlafen . . . Leise, leise müssen wir ins Grüne treten. Streck' die zarte Hand und weise uns die Stelle, wo wir beten . . . Knospen schlafen . . . Weicher, weicher fließt auf sie ein blauer Schein, fließt ein durchsichtiger, bleicher Schimmer . . . Fernher klingt Gewein . . . Knospen schlafen . . . Stille, stille! Höre, wie Begierden rauschen . . . Hör': es seufzt der Tau, der kühle . . . Rühr' Dich nicht! Wir wollen lauschen! Du hast gestielt ... Du hast gespielt. . . Die Geige hat gesungen verträumt und zart, so zart bist Du allein. Ein wehmütiger, müder Trauerschein hat in den Tönen zitternd mitgeklungen. An jenem Abend sah ich es nicht ein, was da mein junges Herz so hat bezwungen. Mit meinen Tränen hab' ich stumm gerungen und schluchzte still in mich hinein. In jener Stund' bin ich Dir nah gewesen. Ich konnte doch in Deinen Augen lesen das gleiche Weh, das auch in mir geglüht. Laut fiel der Beifall rauschend, lärmend ein, und ich saß still, mit meinem Schmerz allein . . . Doch meine Seele hat vor Dir gekniet . . . Aus dem Jiddischen von Gerhard Birnbaum

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