Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Die hebräische Literatur und Presse
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 414 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die hebräische Literatur und Presse Von J. Warschawiak Seit einigen Jahren ist Polen wieder eines der wichtigsten, vielleicht sogar das wichtigste Zentrum für das hebräische Buch. Das ständig wechselnde Verlangen nach Büchern, besonders nach jüdischen, das nach der durch den Weltkrieg hervorgerufenen Unterbindung der Bücherproduktion einsetzte, war mit eine Ursache für die Entstehung eines Zentrums für das hebräische Buch in Polen. Dazu kam als zweites, daß in Rußland, das seit der Entstehung der neuen hebräischen Literatur das Hauptzenlrum des hebräischen Buches gewesen war, die inneren Zustände und Kämpfe nach dem Krieg eine weitere Verlagslätigkeit für das hebräische Buch unmöglich machten. Je stärker die Emigration russischer Juden wurde, für die Polen einen längeren oder kürzeren Aufenthaltsort bedeutete, desto größer wurde die Nachfrage nach hebräischen Büchern; denn die russischen Juden bildeten den größten Teil der ständigen Leser der neuen hebräischen Literatur. Zusammen mit den Emigranten kamen nach Polen auch die ergebenen Freunde des hebräischen Buches, die ihm unermüdliche Pflege angedeihen ließen, darunter der bekannte Mäzen der neuen hebräischen Literatur Abraham Josef Sty bei. Die verhältnismäßig ruhige Atmosphäre Polens ermöglichte ihnen, ihre weitgehenden Verlagspläne zur Durchführung zu bringen. Den wichtigsten Faktor in der Entwicklung der hebräischen Literatur in Polen während der letzten Jahre bildet A. J. Stybel und seine liebevolle Arbeit für das hebräische Buch sichert ihm einen Platz in der Geschichte des hebräischen Verlagswesens. Es ist ein unumstößliches Gesetz, das für alle Literaturen gilt: Eine nationale Literatur kann sich nur dann voll entwickeln und nur dann alle Pflichten gegen ihre Leser ganz erfüllen, wenn sie ihnen auch die besten Werke der Weltliteratur vermittelt. Bei den Juden ist das Problem der Übersetzung besonders wichtig. Selbst der eingeschworene hebräische Leser kann nicht auf das reiche Gebiet der Weltliteratur verzichten und sich mit den Originalwerken der hebräischen Literatur begnügen. Um daher den hochentwickelten Leser nicht zu entfremden, den weniger entwickelten aber in Hinsicht seines Geschmackes zu erziehen, war es von höchster Wichtigkeit, der hebräischen Literatur die wichtigsten und wertvollsten Werke der Weltliteratur einzufügen. Deshalb setzte es sich Stybel, noch als er seinen Verlag in Moskau begründete, zum Ziel, in guten hebräischen Übersetzungen das Beste aus der Weltliteratur herauszugeben. Diesem Ziel näherte er sich mit noch größerer Planmäßigkeit, als er seinen Verlag nach W a r s c h a u verlegte und dessen Leitung und Redaktion an den bekannten und ernsten Kritiker in der hebräischen Literatur, F. Lachowc r, übertrug. Anfangs war als Chefredakteur der „Hatekufah" wie auch der Verlagsanstalt Dawid Frischmann tälig, später stand Lachower der hebräische Dichter Jakob K ah 11 n zur Seile. Angesichts des Mangels an hebräischer Übersetzungsliteratur in allen Zweigen war eine sorgsame und passende Auswahl nötig und diese Aufgabe hat der Stybel-Verlag sehr gut gelöst. Überdies ist ihm hoch anzurechnen, daß er sich nicht damit begnügte, europäische Bücher herauszugeben, sondern ihnen ein europäisches Gewand zu geben verstand. Ein Hinweis auf die Autoren, die fast durchwegs in gute n Übersetzungen aus dem Original herausgegeben wurden, läßt die große Bedeutung dieser Tätigkeit des Slybel- Verlages einschätzen; wir finden unter anderen Ubersetzungen von Byron, Hermann Bang, Altenberg, Dostojewski, Goethe, Dickens. Hebbel, Hauptmann, Heine, Hamsun, Wilde, Zulawski, Mark Twain, Tolstoj, Turgenjefi, Jacobson, Jack London, Lermontoff, Mau-