Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Das jüdische Buch
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 413 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE BUCH zogen. Statt der früheren billigen populären Broschüren erscheinen ständig im Original oder in der Übersetzung Werke von Niveau und Bedeutung. Während zum Beispiel im Jahre 1012 im ganzen fünf billige Kinderschriften erschienen sind, erscheinen jetzt jedes Jahr einige Dutzend solcher. Leider hat bisher eine genaue und systematische Statistik des jüdischen Buches gefehlt. In den Jahren 1922 bis 1923 wurde diese Statistik (allerdings nicht vollständig) von der Zeitschrift ,,B ü eher w e 1 t" besorgt, die unter der Redaktion des Aulors dieser Zeilen stand. Jetzt tut es die illustrierte Wochenschrift „L ilerarische B 1 ä lt e r", die unter derselben Redaktion seit drei Jahren in Warschau erscheint. Mit Beginn des Jahres 1927 hat die bibliographische Kommission der philologischen Sektion des jüdischen wissenschaftlichen Instituts begonnen, eine genaue Registrierung aller Erscheinungen in jüdischer Sprache auf der ganzen Welt zu führen. Die Arbeiten der Kommission werden in Kürze unter dem Titel ,.B i b 1 i o g r a p h i s c h e s J a h r b u c h" erscheinen. Die Auflagen der jüdischen Bücher sind in den letzten Jahren infolge der Wirtschaftskrise in Polen gefallen. Im Durchschnitt wird ein Buch jetzt in 1000 bis 1500 Exemplaren gedruckt; vor drei bis vier Jahren war die Durchschnittsauflage noch 2000 Exemplare, es gab aber auch Fälle, wo Bücher in einer Auflage von 5000 und mehr erschienen; so zum Beispiel wurde J. Opaloschus Roman „I n Polens Wälder n" im Laufe von vier Jahren in 11.000 Exemplaren verbreitet. Das ist eine Rekordauflage. Auch einige Werke von A s c Ii, wie .,Kidusch-Haschcm'\ „Die Zauberin von Kastilien", sind in kurzer Zeit in mehreren lausend Exemplaren verbreitet worden. Doch ohne Rücksicht auf die beschränkte Zahl der verkauften Bücher werden jüdische Bücher in Polen sehr viel gelesen. Es gibt in Polen mehr als 500 jüdische Bibliotheken mit ungefähr 100.000 Lesern (genaue Ziffern sind nicht festzustellen). Die jüdische Presse widmet dem jüdi- Mittclfrvnt des neuen J üdiseh-akademischen Hauses in Warschau Entirorfen und erbaut von Architekt H. Sliefelrnann. Eingerichtet für 300 Studierende, enthält einen „Einstein-Saal", Bibliothek und Gescllschaj'tsräutne (erbaut Tyiy) sehen Buch leider nicht viel Aufmerksamkeit. Besprechungen und Hinweisen auf neu erschienene Bücher begegnet man selten. Dies ist ein Fehler, denn das Publikumsinleresse am jüdischen Buch ist sehr groll. Es muß noch hervorgehoben werden, daß in Polen zwischen dem Schriftsteller und dem Leser ein recht inniger Kontakt herrscht. Es ist in Polen üblich, daß die Schriftsteller in der ganzen Provinz Vorträge und Vorlesungen halten. Diese haben immer großen Erfolg. Der jüdische Schriftsteller ist bei dem Leser beliebt, der Leser interessiert sich slets Tür ihn. Der ernste Schriftsteller fühlt das auch und ist sich der Verantwortung bewußt, die er für das jüdische Wort trägt.