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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. 396

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-06-01
Page
396 (sequence 1)
Language
German
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AUF DEM HÜGEL Erzählung von A. M. Fuchs Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen von Isaac Schreyer (Nachdruck verboten). Copyright 1927 by Isaac Schreyer, Vienua V v 4- For 4. Fortsetzung. ie Gärten standen ungeordnet, mit gelben Stoppeln, und waren -1—* des reifen Gemüses entblößt. Die gelichteten Bäume, umgarnt mit silbrigem Altweibersommer, wärmten sich mit gebrochenen Zweigen in der letzten, warmen Sonne. Es gab eine reiche Pflaumenernte in jenem Jahre. Rosdine war mit Pflaumen überschwemmt; mit großen, bläulich-bereiften, saftigen und schweren. Die Jungen hatten die Taschen voll. Die Juden vom Hügel handelten alle mit Pflaumen. Mit Äpfeln und Birnen gab man sich nicht ab. Man lagerte sie in den finsteren Kammern ein, bettete sie auf Stroh in großen Haufen und wurden für den Winter aufbewahrt. Sie rochen scharf und säuerlich-herb. Am Rüsttage zum Neujahrsfeste standen sie schon in aller Frühe auf dem Markte in den schmierigen Kamisolen, mit Fässern voll Pflaumen und maßen sie literweise den Weibern in die Körbe hinein. Es wurde viel Geld eingenommen. Man betrieb den Handel gemeinschaftlich. Schmiel-Jossje stand mit klebrigem Barte mitten unter den Söhnen und Schwiegersöhnen und schrie und beschimpfte die Weiber, die um den Preis feilschten. Er riß ihnen die Körbe aus den Händen und schüttete die Pflaumen ins Faß zurück. „Ich habe keine Pflaumen . .. Geht in Gottes Namen . . Mit wachsamen Augen paßte er auf, daß gezahlt werde. Nachmittags beeilte er sich, nach Hause zu kommen. Er zählte das Geld und versteckte den vollen, reichen Beutel im Stiefelschaft. Um dieselbe Zeit kam auch Breindel, um dem Vater behilflich zu sein. Schmiel-Jossje hatte einen guten Tag, er hatte, Gott sei Dank, schön verdient. Nun beeilte er sich und atmete schwer. Zu Hause harrte seiner noch manche Arbeit: er mußte eine Fuhre Stroh auf dem Dachboden ablagern, die Stiefel mit Wagenschmiere einfetten und ins Bad gehen. Er trug eine Kiste auf dem Kopfe, lief trippelnd einher und trieb Breindel an. Sie ging neben ihm und trug zwei leere, längliche, süßlich riechende Pflaumenfässer auf dem Rücken. „Nu, Mojd, wras kriechst du so . .. rascher. .. es ist spät. . Vater und Tochter hatten rote, klebrige Hände von den zerdrückten Pflaumen und spürten die großen, stechenden Fliegen nicht, die sich auf ihnen niederließen. Schmiel-Jossje hielt mit einer Hand die Kiste auf dem Kopfe fest und trug in der anderen sehr behutsam ein langes, weißes Jahrzeitlicht, das er in einem Laden gekauft hatte. Breindel wiegte sich mit den beiden Fässern auf den Schultern. Sie gingen rasch und vorgeneigt und sprachen kein Wort. Schweigend, in satter, herbstlicher Zufriedenheit traten sie mit ihren schweren, abgerackerten Füßen auf die gelben Blätter und das welke Gras. Aber

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