Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Von Ghetto zu Ghetto
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 350 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „Warburg-Kolonie" in Brest-Litowsk erbaut aus Jointmittcln Armut, bis 1918, als am 22. November das große Unheil über die Judenstadt losging. Das Ghetto fiel den Flammen und der Raublust des Pöbels zum Opfer und es blieb nur die Synagoge unversehrt, die 1632 erbaut worden war und wohl manchem Ansturm der Feinde standgehalten hat. Wenn wir vom Lemberger Vorstadtghelto sprechen, dürfen wir an den alten Friedhof nicht vergessen, der bereits in den Stadtakten vom Jahre 1411 erwähnt wird. E>s ist der älteste existierende Judenfriedhof auf polnischer Erde. Hier ruhen die Gelehrten: Dawid Halevy (Türe Sahaw, gest. 1667), Josue Falk Kohen (Sma, gest. 1612), Zwi Askenassy (Chacham Zwi, gest. 1718), Jakob Ornstein (Jeschuath Jakob, gest. 1840), hier ruhen die Märtyrer für den Glauben: die Brüder Reizes (1728), die Opfer der Judenschlacht von 1664 usw. usw. Vollkommen in ihrer ehemaligen Gestalt steht bis heute die Judenstadt in L u b 1 i n. Zwar wohnen heute die Juden in der Alt- und Neustadt, ja die innere (Altstadt) macht ganz den Eindruck eines Ghettos, aber die historische Judenstadt beginnt hinter dem Judentor, das, wie vor Jahrhunderlen, die Grenze zwischen Stadt und Ghetto bildet. Hier, rings um den Schloßberg, in doppeltem Kranze, stehen die Judenhäuser, hier klein, aus Holz gebaut (Schneidergasse), dort hoch, an den Berg gelehnt, mit Giebeln, die über die Fundamente des Schlosses reichen. Und am Ende des Viertels, hart am Fuße des Schloßberges, in der ,,ulica Jateczna", steht die alte Judenschul (erbaut 1567), die stolz den Namen des ersten Rektors der Lubliner Jeschiwa, Salomo Luria, führt (Maharschalschul). Unter einem Dache mit ihr befindet sich die kleinere Maharamschul (Meir aus Lublin) und gegenüber erhebt sich das Beth Hamidrasch (18. Jahrhundert) mit der reichen Bibliothek, an welches sich die alte Fleischbank und das Judenbad lehnen. Unweit dieser Heiligtümer des alten Lublin sehen wir einen nicht allzu hohen Berg, auf dem wreiße Steine sichtbar sind. Es ist der alte Judenfriedhof (seit 1540), auf dem die Großen Lublins, der Landesrabbiner Schalom Schachna (gest. 1559), der Maharschal, der Judenmarschall Abraham Räch (Halpern), gest. 1762, der Seher von Lublin, Rabbi Jakob Isak Horowitz (1815) und viele andere ruhen. Am Fuße des Friedhofsberges steht die Ruine eines alten Klosters, das durch die Legende mit dem Judenfriedhof verknüpft ist. Vom alten Brest-Litowsk blieb kein Stein auf dem anderen. Bereits im Jahre