Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die Juden in Linz
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 322 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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322 MENORAH Die jüdische Chronik Emck habacha weiß zu berichten, daß der Kaiser seinem Sohne Maximilian befahl, sich den Juden gütig zu erweisen. Der Geschiehtschreiber Kurz sagt einmal (A]])r. I, S. 35): Rohheit und Unwissenheit waren zwei vorzügliche Eigenschaften des Mittelalters." In diesem Sinne beginnt aber das Mittelalter" den Juden gegenüber erst richtig mit dem 16. Jahrhundert. Es genügt drei Namen zu nennen: Inquisition, Papst Paul IV. und Pius V. — und das Elend der Juden ist jedem, der irgendwie die Geschichte kennt, olfenbar. Die Regierung Ferdinands I. ließ den Juden in Österreich wie in Rohmen kein ruhiges Weilen. Daß aber schon damals zwischen Rohmen, das heißt zwischen den böhmischen Juden und Linz ein reger Verkehr geherrscht haben muß, läßt sich aus einer Stelle der Chronik Emek liabacha schließen, die die Vertreibung der Juden aus Prag mit dem großen Brande der Stadt Linz in Zusammenhang bringt. Wahrscheinlich war Linz mit seinen Jahrmärkten schon damals von den böhmischen Juden stark frequentiert. „Es brannte nach ihrem Abzüge (aus Prag) die Stadt Linz ab, welche eine große Stadt war, der Schönheit Vollendung; nicht zwanzig Häuser blieben darin stehen, und sie war lange Zeit, ein fortwährender Schutthaufen." Der Brand in Linz — ein Gottesgericht wegen der verjagten Juden von Prag!! Tatsächlich ist dieser Brand von Linz durch die Chronik des Stadtchronisten Sint ausreichend bestätigt; es lielen damals 134 Häuser (beziehungsweise 140; S. 1, S. 315, Nr. 2) dem Elemente zum Opfer, so daß nach dem damaligen Häuserbestand kaum 20 stehen geblieben sein dürften. Von 1421 bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürften die Juden in Linz keinen Handel mehr getrieben haben, weil das Patent, das den Juden 1396 und 1412 die Kaufmann- und Handelschaft verboten hatte und 1472 erneuert wird, von den Juden nichts mehr erwähnt. Daß hingegen mit Anfang des 16. Jahrhunderts die Juden wieder nach Linz gekommen seien, ließe die Privilegiumbestätiguiig Ferdinands I. (Privilegiumbuch der Stadt Linz II, Nr. 40) schließen, ,,dass die Juden mit den von Lintz khain KaufYmannschaft treiben sollen" (1521). Man müßte ausführlich über die Lage der Juden unter Ferdinand I. sprechen, um die Verelendung aufzuzeigen, die sich über alle Juden ergoß, damit man verstehe, wie sich die Dinge zum Schlechten wenden. Im Jahre 1550 erhebt man in Linz die Klage, daß die böhmischen Juden und Fuhrleute schlechtes Geld, die sogenannten „Putschanderln" nach Linz bringen (Fink, S. 82). Ist doch 1551 und 1554 das Mandat erlassen worden: Solchen Juden, die den gelben Fleck zum ersten oder zum zweitenmal verbergen, sollen die Waren weggenommen, das drittemal aber sollen diese Juden ausgewiesen werden. Sogar eine Generalausweisung ist angeordnet, aber nicht ausgeführt worden. Unter der Regierung Maximilians II. besserte sich der Zustand etwas. 1569 erging der Befehl: den inländischen, ansässigen Juden soll der Handel mit Waren erlaubt sein. Fremden Juden, wenn sie nicht von der k. k. Hofkammer mit einem sogenannten Paßbrief versehen sind, soll keine Art von Handel, auch zur Zeit des Jahrmarktes nicht, zuge-