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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. 304

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Der Judenbaum
Date
1927-05-01
Page
304 (sequence 1)
Language
German
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DER JUDENBAUM von Peter Rosegger Zur Zeit des frommen Herzogs Ferdinand erschien in Steiermark ein Befehl, daß alle Protestanten und Juden, welche im Lande bisher gewohnt hatten, entweder den katholischen Glauben annehmen oder auswandern müßten. Zu jener Zeit haben die Menschen eine sich in ihrem Geiste spiegelnde himmlische Heimat der wirklichen auf Erden vorgezogen. Damals sind die Greueltaten der Verfolgungen und Kriege noch häufig ,,zur Ehre Gottes" geschehen, anstatt wie später „aus Patriotismus und Liebe zur Nation". So sind denn viele der Betroffenen willig aus der schönen Alpenheimat weggezogen in die ungewisse, weite Fremde, viele sind mit Gewalt vertrieben worden, manche sind zu einem Loch hinausgehuscht und zum anderen wieder hinein und haben sich in den Wäldern und Einöden des Landes armselig umhergetrieben. Das letztere taten besonders die Israeliten gern. Sie hatten in Steiermark Handelsgeschäfte gegründet. So wollten sie sich von ihrer Habe nicht trennen, und solche, die in Städten ihre größeren Handelshäuser besaßen, bei denen einst Fürsten und Prälaten Anlehen gemacht hatten, sie verschmähten es nicht, jetzt wieder ihr grünes Bündel von Haus zu Haus zu schleppen — rührsam und fleißig, wie die Biene neu beginnt, der man den Korb ausgehoben. Aber die Abneigung gegen den anders gearteten Juden war da, und anstatt auch seine guten Eigenschaften zu würdigen und dieselben etwa unter den Christen einzuführen, hat man nur seine schlimmen gesehen und diese noch ausgestattet mit den ungeheuerlichsten Phantasiegebilden. Man weiß ja: der Jude vergiftet die Brunnen, raubt Ghristenkinder, um sie am Osterfeste zu schlachten — ist das nicht genug, ihn totzuschlagen? Die Geistlichkeit hetzte, die Behörde jagte, die Bauernschaft war die Meute, und der Jude floh und war schutzlos unter dem Himmel Gottes. Die Dörfer, denen ein neues Jagdgesetz strenge verbot, nach den Tieren des Waldes zu fahnden, außer es wäre der gierige Wolf, der grimmige Bär, die damals noch das Land unsicher machten — solche Dörfer verlegten sich jetzt ausschließlich auf das Judenfangen. Einer der schärfsten Judenfänger war Hanns Holler, der Ortsrichter von Stübau. Der hatte einst von einem Juden ein steiniges Äckerlein gekauft, und zwar um schweres Geld, weil ihm hinterbracht worden, daß unter den Kieselsteinen des Ackers ein Schatz von eitel Gold und Edelsteinen begraben sei. Aber als er nachgrub, in tiefer Nacht mit Schweiß und Angst nachgrub, fand sich unter den Steinen nichts, als wieder nur Gestein, und da kam er drauf: der Jude habe ihn betrogen. Seither lebte in ihm der tiefe Haß gegen die Israeliten, und als nun der herzogliche Befehl herauskam, war er über alle Maßen

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