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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. Seite 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Aus der Sammlung "Briefe"
Date
1927-05-01
Page
Seite 286 (sequence 5)
Language
German
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286 MENORAH Wochen erhielt ich von Dr. Cyrus Adler in Philadelphia, das Haupt einer Hochschule für das Wissen des Judentums dort (vielleicht hast Du gehört, daß es dort eine Hochschule gibt, die nach ihrem Gründer D r o p s i e genannt wird, der hiefür ein Heidengeld hinterließ) — eine Einladung hinzukommen und dort zehn Vorlesungen über die Geschichte der jüdischen Ethik oder ein anderes verwandtes Thema zu halten. Er setzte mir auch ein Honorar aus, das reichlich die Reise decken würde. Er bestimmte die Zeit — in ungefähr einem Jahre. Dieser Antrag nahm mich gefangen, weil er mich zwingen wird, meine Gedanken auf ein begrenztes Gebiet zu konzentrieren und ständige Arbeit zu leisten, um mich für diesen Kurs vorzubereiten. Aber die Zeit, die er begrenzte, genügt mir nicht, denn in diesem Jahre will ich nach Palästina reisen und ungefähr drei Monate unterwegs bleiben. Einen solchen Kurs zu lesen — dazu englisch — ist keine Kleinigkeit für einen Cff[/-Menschen gleich mir. Deshalb denke ich, daß ich das Anbot akzeptieren werde, wenn sie mit der Verschiebung des Zeitpunktes einverstanden sein werden. Bis jetzt habe ich ihre Antwort nicht erhalten. Wenn sie einwilligen werden, vielleicht wird mir dadurch geholfen sein und werde unfreiwillig zu arbeiten beginnen. Es ist mir nicht angenehm, unseren alten Streit betreffs des Jargons zu berühren. Aber ich kann mich nicht enthalten, Dir zu sagen, daß, falls Du den Aufsatz von M. in der Sammlung des „Ewr. Mist", („Jüdische Welt") gelesen hast, es unmöglich sei, daß Du nicht gesehen hättest, wohin uns diese Bewegung führt. Schon aus logischen Gründen hat der Autor recht: ist der Jargon ein Grundstein, auf dem unser Nationalismus aufgebaut ist, dann gibt es in Wahrheit kein israelitisches Volk mehr, sondern Völkerschaften. Ich will Dir noch folgendes bezeugen: Die Gefahr einer Trennung in verschiedene Völkerschaften erschien mir noch vor zwei Jahrzehnten, und ich bemerkte hierüber („Auf dem Scheidewege", I, 176 und 177); aber ich zog daraus eine ganz andere Konsequenz. Darin siehst Du den Unterschied zwischen dem hebräischen Judentum und dem Jargon-Judentum. Aus dem Hebräischen übertragen von Esther Mieses.

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