Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 238 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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AUF DEM HÜGEL Erzählung von A. M. Fuchs Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen von Isaac Schreyer (Nachdruck rerboten). Copyright 1927 by Isaac Schreyer, Vienna JJJ4 2. Fortsetzung. Die Partie wurde aber dennoch in Gottes Rat bestimmt. Auf dem Hügel herrschte rege Geschäftigkeit. Die heißen, langen Spätsommertage bräunten die Gesichter der Weiber, zehrten an ihnen und machten sie länglich und spitz. Die müßigen Mäuler erschienen einem jetzt breiter aufgetan. Die Weiber gingen in den hellen Sommerstuben herum, schwatzten und zankten, borgten Töpfe, schalten, stritten und söhnten sich dann wieder aus: ,,Was wird aus der Partie werden? ... So bald wird sich eine solche Partie nicht wieder darbieten . . . Eine saubere Mezieh diese Breindel.. . Natürlich, das Glück wird ihr in den Schoß fallen ..." Von weitem vernahm man das Brechen des Flachses, den die Bäuerinnen in den Braken brachen und dann zu Haufen schichteten. Fuhren, mit Garben vollbeladen, schleppten sich mühsam drunten auf dem staubigen, heißen Weg und knarrten schwer. Barfüßige, zerlumpte Jungen vom ,,Hügel" rissen aus ihnen Büschel voll Garben heraus, liefen jedesmal fort und tauchten plötzlich wieder hinter den Fuhren auf. Über den schwarzen, eingetrockneten, krummen Dächlein schwirrte in der Hitze, müde und verschlafen, der langgezogene Singsang eines halbentblößten Melameds, der den Knaben den Wochenabschnitt einbläute. Mühselig und gebrochen schlotterte, in seinem verschossenen Kamisol, ein verhungerter, behaarter Bettler von Türe zu Türe: ,,Ich kann euch nichts geben .. Mitleidige Weiberblicke sahen ihm nach. Die Köpfe müde gesenkt und in lose gebundenen Kopftüchern, paßten die Weiber auf, daß er nichts mitgehen lasse; sie gaben ihm ein Stück Brot, einen Groschen: „Gott soll euch helfen, übers Jahr sollet ihr zu mir betteln kommen.. Mit stillem Zorn fluchte der Bettler in seinen Bart hinein und schleppte sich fort, strauchelte über die krummen, ausgetretenen jüdischen Schwellen, küßte die Mesuseh und fluchte. Den Mund halb geöffnet, saß Breindel auf dem Klotz an der eingetrockneten Mulde und schlummerte. Aber plötzlich sah sie den Koslower Freier von einer Bauernfuhre springen und zur Stube hinauf-