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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Josef Floch
Date
1927-04-01
Page
Seite 231 (sequence 8)
Language
German
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JOSEF FLOCH 231 gilt schon für jene Kreise der Kunst, welche sich von den Gestalten und Erscheinungen der Natur bestimmen lassen, um auf solchen Beobachtungen ihre Werke aufzubauen, und das gilt noch mehr für die anderen, welche der Naturform eine unabhängige Kunstform entgegensetzen. Oder gemeinverständlich gesagt: sowohl für real wie für ideal gerichtete Zeiten. Niemals hat komplette Nachahmung der Natur Kunst ergeben, sondern auch wo dies der Fall scheint, weicht das Abbild durch eigene, selbstschöpferische Werte von dem Vorbild ab. Es geht um ein Mehr oder Minder, aber immer um einen Unterschied, Und dieser Unterschied allein ist wichtig, er enthält jeweils die Kunst in dem Werke, Nur so wird man auch verstehen können, daß im ganzen 19. Jahrhundert die Kette der besten, nämlich der französischen Maler, trotz aller Wandlungen der Kunstform die Natur über alles geliebt hat, wofür ihre Briefe — von dem älteren Rousseau bis auf Cezanne und Van Gogh — bewegteste Zeugnisse geben. Sie alle halten ihr, mit Sinnen und Seele, unablässig die Treue, sie alle folgen dem Grundsatz: ,,Natura artis magistra" — aber sie entziehen sich ihr durch Gestaltung bis zur völligen Selbständigkeit. In die Reihe dieser Letzten, die aus einem liebevollen Verhältnis zur Natur, aus den Wahrnehmungen ihrer WTunder eine kunsteigene Form schöpfen, gehört Josef Floch. Auch ihm ist sie nur ein Gleichnis. Und darum wäre es töricht, seine Werke mit ihren Wirklichkeiten nachzumessen. Denn beides ist wesensverschieden. Man wird also nicht in der Übereinstimmung, sondern nur im Unterschied von der Natur das Wesen dieser Kunst auffinden können. Sie setzt der naturgegebenen ihre Gestalt, ihre Farbe, ihre Stimmung, ihre Sphäre entgegen. Hügel, mit Städten beladen, steigen ins Meer. Bilder, gemalt im Angesicht von wirklichen Küsten des Südens, und doch unwirklich geworden unter diesen Händen, auf ein anderes Dasein gebracht, das seine Erscheinung und seine Geheimnisse hat. Gesehenes wandelt sich zur Vision, die den einfachen Kern und das rein malerische Wesen der Dinge sucht. Die Häuser lassen ihren mutwilligen Wechsel, nur was allen gemeinsam ist: die Würfel bleiben; der Zufall ihrer Nachbarschaft weicht einer streng abgesetzten kristallinischen Ordnung, die Farbe wird Klang, das Licht wird Glanz — Natur wird Form. Doch die Landschaften dieser leichteren durchsichtigen Art bedeuten nur einen Anfang, das Feld, auf dem der Künstler grundlegende Klarheiten erwerben will über die räumliche Sphäre seiner Figurenstücke. Denn erst im Figurenbild erfüllt sich hier auch die Sendung der Landschaft.

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