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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Edmond Fleg
Date
1927-04-01
Page
Seite 222 (sequence 7)
Language
German
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222 MENORAH sie. Eines nach dem anderen, Tausende und Abertausende entreißt ihr Pharao und wirft sie in den Nil. Wie sie weint! Wie sie schluchzt! Aufgelöst ist ihr Haar, die Arme hängen schlaff. Und dort: Eine Hecke von aufgespießten Toten zieht sich im Kreis siebenmal um die Stadt. Haufenweise zählt Nebukadnezar die abgesägten Köpfe... Ja, die Köpfe in seinen Händen, das sind deine Söhne, Rachel, deine Söhne .. . Und jene dort, die Titus hinter seinem Wagen schleift. Im Zirkus johlt die Menge... Ein Löwe... Ein Panther ... Deine Söhne, Rachel. Deiner Söhne Knochen knarren in ihren Kiefern 1 Und diese da! Und jene! Und diese!.. . Auf den Sklavenmärkten, wie Fleisch in der Fleischbank. An Mühlsteinen wie blinde Gäule. An Galeerenbänken, mit Verbrechern. An Rädern, Pflughäuptern, Wippen. Wie sie schluchzt, Rachel, wie sie die Hände ringt. Und jetzt. Kreuzfahrer ziehen ins Heilige Land. Das Heilige Grab wollen sie befreien... Müssen sie unterwegs alle Ghettos an blutigen Kreuzen verenden lassen? Und jetzt... Aus Scheiterhaufen schlagen Flammen. Gestank angezündeter Haut verpestet die Luft. Deine Söhne sind es, Rachel, deine Söhne, Rachel! ... Und jetzt. Die Kosaken Chmielnickis binden ihre Füße an die Schwänze der Pferde. Leichen galoppieren über die eisbedeckte Steppe! Und jetzt. Wrangel, Denikin, die sie peitschen, die sie sägen, die sie an Bäume hängen, wie ausgelöschte Laternen, die sie durch Mund und Augen mit Petroleum anfüllen; die sie lebendig begraben, den Kopf über der Oberfläche der Erde; die auf sie schießen; mit Pistolen, Kanonen, Maschinengewehren! O du, die du deinem einzigen Sohn nachtrauerst, heilige Maria, schau' doch hin, wo Mutter Rachel Millionen ihrer Söhne nachweint! Weil sie deinen Jesus nicht als Messias haben wollten . . . Weil sie auf einen anderen Messias warten! Haben Pharao und Nebukadnezar im Namen Gottes getötet, der ein Gott der Liebe sein soll? Doch sind es deine Könige, deine Priester und deine Soldaten, die seit Jahr und Tag, jahrhundertelang, uns kreuzigen. Und dein Blut sollte über uns kommen? Nein, unser Blut ist, Jesu; unser Blut wird über dich kommen! Der Messias des Friedens, der Messias der Gerechtigkeit. Der Messias, den unsere Propheten verkündeten! Als Messias wähntest du dich, du armer, schmerzensvoller Jesu!

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