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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Edmond Fleg
Date
1927-04-01
Page
216 (sequence 1)
Language
German
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EDMOND FLEG Eine Studie von Aurelie Gotth'el mit einem Bruchstücke aus dem Romane: U e nfan t-Pro^Jie te Märchen, die wir gerne hören, erzählen es oft, wie arme Königs - kinder ein Aschenbrödeldasein führen, bis man sich einmal ihrer Abstammung erinnert und sie aus Armut und Schande in ein glanzvolles, tatenreiches Leben treten läßt. Wer würde es vermuten, daß wir heutzutage solch eines Wunders leibhaftige Zeugen sind? Und doch ist die Erstarkung des Judentums, die jetzt in Frankreich vor sich geht, solch ein fabelartiges Kapitel unserer Geschichte, in der wahrlich alle Unwahrscheinlichkeiten Ereignis werden. Denn diese Bewegung, schon ansehnlich und erst am Anfang ihrer Entwicklung, wuchs nicht aus des Judentums eigenen Nöten und Problemen heraus. Ihre Wurzeln hat sie in allgemeinen Strömungen, die, gleichsam von außen kommend, den schwächlichen französischen Judaismus ergriffen und ihm eine Rolle zuwiesen, von der zu träumen er sich seit langem nicht mehr erkühnte. Als nämlich der Krieg die Menschheit mürbe machte und Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit aus ihrer angstvollen Verzweiflung schoß, da stieg aus aufgewühlten Seelentiefen ein Traum hervor, der einst ihre Kindheit nährte. Unter anderen Himmeln gewachsen und von anderen Sonnen gereift, ist der uralte orientalische Messiasgedanke in kaum modernisierter Form heute des Glaubens letztes Wort. Nahezu eine latente Religion, die auf der Suche nach ihrer Form ist. Sekten aller Art, mystische Verbände verschiedener Prägung und eine Kräftigung aller Kirchen sind erster Ausdruck jener Strömung. Das Judentum allein blieb davon zunächst völlig unberührt, denn nicht einmal oberflächlich gekannt war es von seinen Bekennern. Bald jedoch wendete sich ihm das Interesse zu. War es doch jene Religion, die den Messiasglauben nach Europa verpflanzte und ihn in ihrer Mitte stets wach hielt. Bald brach sich auch die Erkenntnis Bahn, in der verlassenen jüdischen Schatzkammer seien die Schlüssel verborgen, die des Menschheitsparadieses Tore öffnen könnten. So wurde das Judentum als Religion wieder lebendiger Wert und auf diesem Umwege kam auch das Judentum als Volk zu einer besonderen Bedeutsamkeit. Ja, selbst seine Auserwähltheit wurde ihm zuerkannt. In jenem tiefsten Sinne nämlich, den die Propheten prägten, als Mission, der Menschheit Heil vorzubereiten.

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