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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Einleitung zu dem Buche "Israel"
Date
1927-04-01
Page
211 (sequence 1)
Language
German
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M ENORAH V. JAHRGANG APRIL 1927 NUMMER 4 EINLEITUNG ZU DEM BUCHE „ISRAEL" Von Ludwig Lewisohn*) Es ist Mai 1925, ein später und rauher Frühling, wenn auch die Pappeln volles und dunkles Laub tragen, wenn auch die Kirschbäume in allen Obstgärten weiß blühen und die Lerchen über den Bergwiesen des Wienerwaldes jubeln. Hindenburg ist eben zum Präsidenten der deutschen Republik gewählt worden, Italien, Spanien, Polen, Ungarn und die Balkanstaaten sind primitive Militärdespotien. Das offizielle Frankreich gebärdet sich liberal, weil ihm nichts mehr zu erobern übrig bleibt. England hält trotz der konservativen Regierung an seiner alten maßvollen Besonnenheit fest. In Amerika schafft eine unerschrockene Minorität eine neue und fruchtbare Kultur. Doch zugleich sind seine Massen von schmachvollen alten Vorurteilen durchseucht. Ein Soldat der amerikanischen Armee wurde zu vierzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt, auf den bloßen Verdacht hin, kommunistisch gesinnt zu sein — ein Urteil, das gleichen Despotismus verrät wie der befehdete Kommunismus. Das Weltgeschehen ist nicht heiter und der Anblick wird vollends unerträglich für den Chronisten, der durch vielfache Erfahrung und durch Einfühlungskraft zu dem Bilde der Züchtigungen und Morde, der Verfolgungen und Einkerkerungen durchdringt, kurz zu all den Schrekken und Verheerungen, die auf dem Grunde aller politischen Betätigung erkennbar sind. Was aber den denkenden Menschen am trübsten stimmt, ist wohl die Tatsache, daß der Betrug und die Grausamkeit die die Erde ver- *) Ludwig Levisohn gilt als einer der bedeutendsten Essayisten und schöpferischen Kritiker der jungamerikanischen Literatur. Sein ins Deutsche übertragenes Buch „Gegen den Strom*4 behandelt das Problem des nach Amerika verpflanzten deutschjüdischen Intellektuellen: in seinem neuesten Werke ».Israel" steigert er das jüdische Problem aus dem Individuellen ins Allgemeine und das Vorwort mag erweisen, wie tief er dabei schürft. Der Erfolg des Buches in Amerika ist außerordentlich groß, obwohl es durchaus nicht für die große Masse geschrieben scheint.

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