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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Das jiddische Theater in New York
Date
1927-03-01
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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DAS JIDDISCHE THEATER IN NEW YORK 183 opfert er der Partei. Sein ständiger Mitarbeiter war Schalom Asch, sein Londoner Korrespondent eine Zeitlang Ramsay Macdonald, in Berlin vertritt ihn Karl Kautsky. Einen Gradmesser für den Kulturwert des russisch - jüdischen Proletariats bildet wohl die ln cinem jiddischen Theater in New York merkwürdige Vorliebe und Empfänglichkeit für die jüdischen Theater, deren es in New7 York gegenwärtig sechs gibt. Karl Lamprecht zollt in seinen amerikanischen Reiseeindrücken, die unter dem Titel „Amerikana" erschienen sind, der kulturellen Bedeutung dieser jüdischen Theater, die er seihst besucht, hat, die höchste Anerkennung. Er sagt: „Und nun ein letztes Bild: New York, Grand Street, Jüdisches Theater. Man gibt vor dicht gedrängtem Publikum, das alle Ränge füllt, in Jiddisch-Deutsch ein Stück, das in Südrußland spielt, „Der Liebe Kroft". Ich freue mich, daß ich den mit hebräischen Typen gedruckten Theaterzettel lesen kann: die erste praktische Anwendung früher erworbener Kenntnisse. Das Stück beginnt; man spielt vorzüglich; der Inhalt ist ernst: schwere sittliche und religiöse Probleme. Und mit welch heiligen Feiertagsmienen lauscht das Publikum: alte ergraute Gesichter, manch eines, mir dem Typ nach vom Brühl in Leipzig bekannt, manch junge Physiognomie, deren Träger schwerlich gleich den Alten Galizien, Rumänien, Kleinrußland, die Ursprungsgebiete des New Yorker Ghettos, gesehen hat. Die Stimmung wird immer ernster, gespannter; einige junge Leute, die in tragischen Momenten lachen, werden niedergezischt, müssen ihre Plätze verlassen, einer wird angespien. Und was liegt in diesem Beifall nach dem ersten Akte? Nach dem letzten, nach Mitternacht —- man hatte um 8 Uhr begonnen — weiß ich es: Erbauung, Frömmigkeit. Hier herrscht die Einmütigkeit sittlicher Vorstellungen bei Publikum, Schauspielern und Dichter. Liier ist Schauspiel noch Gottesdienst!1) In diesem äußerlich wenig anmutenden Raum, in einer Luft, die besser sein könnte, unter

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