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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Erinnerungen
Date
1927-03-01
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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ERINNERUNGEN 169 befriedigt. Scheinbar vermutet er, daß ich mit der Malerei irgend einen geheimen Zweck verfolge. Während wir verhandeln, sammeln sich um uns immer mehr und mehr Zuhörer an. „Gehen wir," sagt einer aus dem Haufen, „er macht Ansichtskarten, er macht »choisikV (Das heißt, ich will sie verspotten. Es zirkulierten damals Ansichtskarten mit gehässigen Judenkarikaturen.) Ich will auf den Mann nicht so leicht verzichten, denn sein Kopf interessiert mich. Ich bemühe mich ihm klar zu machen, daß von Verspotten keine Rede sein könne, denn ich selbst bin ja, Gott sei Lob und Dank, ein jüdisch Kind. Ich verspotte die Juden nicht. Ich zeichne nur zu meinem Studium. Es sieht aus, als ob meine Worte Eindruck gemacht hätten. Jetzt kommt die Honorarfrage aufs Tapet. Ich mache mein Angebot. Der Mann weiß noch gar nicht, was er zu leisten haben würde, aber er findet, daß ich ihm zu wenig biete. Ich bessere mein Anbot etwas auf und nun scheint es, als ob wir uns einigen sollten. Auf einmal fragt mein zukünftiges Modell, wieder mißtrauisch geworden: „Nu, und warum wollen Sie ausgerechnet mich arob chapen?" Ich erkläre ihm, daß mir sein Kopf besonders gut gefällt. Gelächter bei den Herumstehenden. Man beginnt den Mann zu frozzeln: Man hätte gar nicht gewußt, daß er eine solche Schönheit, a „Parschön" wäre. Mein Modell, durch den Spott ärgerlich geworden, zeigt mit dem Finger auf einen Nebenmann und sagt: „Malen Sie lieber ihn ab", läßt mich stehen und geht davon. Voll Verdruß über die verlorene Mühe gehe ich meines Weges. Da höre ich hinter mir rufen und eilige Schritte: Der Mann kommt mir nachgelaufen. Ich freue mich, denn ich glaube, er hätte sich's überlegt und ich kriegte doch noch mein Modell <— aber nein — er hatte bloß vergessen mich zu fragen, ob ich hier gebürtig oder von auswärts zugereist sei. Auf jüdische Modelle mußten wir verzichten. Wladimirow und ich holten uns aus dem christlichen Versorgungshaus für alte Leute Modelle. Diese stellten keine langen Fragen und waren froh, auf so ruhige Art etwas Geld für einen Schnaps zu verdienen. Sie kamen uns nicht teuer zu stehen und ich konnte mein Verlangen nach der Natur zu zeichnen befriedigen, ohne mich in Unkosten zu stürzen.

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