Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Erinnerungen
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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168 MENORAH zu können, assoziierte ich mich mit zwei anderen vorgeschritteneren Kollegen und machte mich auf die Suche nach Modellen. Gerne hätte ich einen schönen alten Judenkopf gezeichnet, aber bis auf den heutigen Tag bringt man einen orthodoxen Juden leichter durch das Öhr einer Nadel als zum Modellstehen. Gelingt es auch manchmal, so gehört immerhin große Geduld und eine zähe Überredungskunst dazu, um allein die Präliminar-Verhandlungen mit so einem spröden Modell zu erledigen. Ich sehe eines Tages auf der Straße einen Juden, dessen charakteristischer Kopf mir sehr gefällt. Der Mann scheint arm zu sein und ein kleiner Verdienst müßte ihm willkommen sein. Ich suche unauffällig um den Mann herumzugehen, um ihn von allen Seiten genau zu betrachten. Dann nähere ich mich ihm und wünsche einen „Guten Tag". Dem Manne aber waren die verdächtigen Umkreisungen seiner Person schon aufgefallen. „Was wollen Sie von mir?" fragt er mißtrauisch. Ich frage ihn, ob er mir nicht Modell sitzen möchte? „Was wollen Sie?" „Abzeichnen, abmalen will ich Sie", erkläre ich. Schon waren etliche gaffende Juden zu uns getreten und an diese gewendet, fragt mein Modell erstaunt, wie um Schutz bittend: „Was will er von mir?" Nun wendet sich einer aus dem Publikum in vermittelndem Tone an mich: „Verzeihen Sie, was wollen Sie von dem Manne da?" Ich sage nochmals, was ich von dem alten Juden wünsche. Der Vermittler versteht mich und erklärt dem anderen: „Er will Sie ,arob chapen', photographieren will er Sie." Das Wort „photographieren" macht mein Modell erst recht mißtrauisch. Er zieht verächtlich die Schultern hoch und erklärt mit einer wegwerfenden Handbewegung, daß er sich nicht photographieren lasse. Ich bemühe mich ihm auseinanderzusetzen, daß es sich um keine Photographie handelt. „Wozu brauchen Sie das?" fragt er noch immer mißtrauisch. Ich erwidere, daß ihm gleichgültig sein könne, wozu ich es brauche; für ihn sollte doch die Hauptsache sein, dabei etwas zu verdienen. — Er besteht aber darauf, ich möge ihm sagen, wozu ich es brauche. Ich beginne ihm auseinanderzusetzen, daß ich angehender Maler bin. Er beispielsweise ist Botengänger, dies ist sein Geschäft und ich bin Maler, dies ist mein Geschäft. Ich „chape arob", ich male die Menschen ab. — Der Mann ist aber durch meine Erklärung nicht