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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Die "Judenpresse" in Wien 1848
Date
1927-03-01
Page
Seite 148 (sequence 6)
Language
German
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148 MENORAH mischen Maitagen Arbeitsminister geworden war — man kann füglich behaupten, daß Jellinek ihn in den Ministersattel gehoben — und Jellinek im Sinne des zu Amt und Würden gelangten Redakteurs wirken sollte, da zog er es in seiner Ehrlichkeit vor, aus der Redaktion der „Allgemeinen Österreichischen Zeitung" aus- und in die des „Radikalen" einzutreten14). Nach Jellineks Austreten verlor die „Allgemeine Österreichische Zeitung" nach Smets die wichtigste geistige und moralische Stütze, die Achtung vor dem Blatte ging verloren und es sank in der öffentlichen Meinung herab. Der „Radikale" hingegen gewann immerzu an Ansehen und hatte dies hauptsächlich seinen jüdischen Mitarbeitern, Siegmund Kolisch, Simon Deutsch, Heinrich Blumberg1421), zu verdanken. Einer der lautesten Schreier im Zeitungschore, ein w7ahrer Eisenfresser, war der „Politische Studentencourier" unter der Redaktion von Adolf Buchheim und Oskar Falke. Adolf Buchheim, ein junger Student der Medizin, war der Enkel des Austerlitzer Rabbiners Aaron Buchheim. Der „Studentencourier" vereinigte in sich gewissermaßen als Brennpunkt alle Ausstrahlungen der radikalen Studentenschaft. Er war das Spiegelbild aller Strömungen unter den jungen Rittern des Geistes und erfreute sich bei der studierenden Jugend großer Beliebtheit. Sein Einfluß war denn auch recht groß, was schon aus der Tatsache erhellt, daß das Eisenacher Studentenparlament im September auf Antrag Falkes den Beschluß faßte, den „Studentencourier" zum offiziellen Organ der gesamten deutschen Studentenschaft zu erklären, für den Fall, daß es nicht gelingen sollte, ein eigenes rein studentisches Blatt zu begründen15). Der „Studentencourier" kredenzte schäumenden Freiheitswein und neigte sogar zum Republikanismus. Smets wirft den Machern des Blattes mangelnde staatsmännische Bildung vor16), als ob staatsmännische Bildung allein das Um und Auf allen sozialen Fortschritts wäre. Man muß bedenken, daß es absurd ist, von gärender Jugend gereifte, staatsmännische Bildung zu verlangen und daß der „Studentencourier" diesen Mangel durch andere treffliche Eigenschaften wettmachte. Er nahm Ideen vorweg, die in der Folge berufen waren, den Siegeslauf um die Welt anzutreten und schob mit kraftvollem jugendlichen Freiheitsdrang den Staatskarren viel weiter, als es geläuterte staatsmännische Bildung allein je vermocht hätte. Freilich verstieg sich der „Studentencourier" oft zu einer Form, daß nicht allein den Philister und den geruhsamen Bürger eine Gänsehaut überlief, sondern zu Form und Ton, die auch weniger empfindsamen Menschen nicht gar angenehm klangen, so zum Beispiel im berühmten

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