Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 100 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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100 MENORAH Aber schon war Breindel oben. Ihre grobe, stotternde Männerstimme schrie dazwischen, stritt mit im Rudel und schalt mit bösen Flüchen: „Verbrennen, verkohlen alle mitsammen" .. . Sie stand in der offenen Türe, steckte den Kopf hervor und ihr sonn gebräuntes Gesicht sah jetzt hart und derb aus, wie ein alter Rettich. Ihre Nase schnaubte laut vor Wut, sie ballte die Faust, die weißen Brauen zitterten und sie kreischte hervor: „Hinaus, Diebsgesindel... Ein Bruch euren Gedärmen..." Sie packt einen Stock und rennt Dudsie ein Stück nach. Aber Dudsie ist flinker. Er läuft, macht kehrt, schleicht sich hinter ihre Schulter und versetzt ihr mit seiner harten Faust einige tüchtige Schläge ins Genick. Breindel stößt ein kuhähnliches Gebrüll aus, ergreift einen Stein, aber Dudsie ist bereits verschwunden. Und sie bleibt stehen und stiert. In ihren farblosen, zornigen Augen glüht die ohnmächtige Qlual des unbeholfenen, stummen Tieres. Allmählich tritt auf dem Hügel Ruhe ein. Mendel-Kersch und sein Weib sind nach Hause gegangen, die Enkel fortgerannt. Breindel ergreift den Trog mit den Semmeln, um ihn zum Klotz zurückzutragen. In der Türe begegnet sie ihrem Vater. Schmiel-Jossje befestigt seine Hosen. Indem er eine Weile stehen bleibt, wirft er einen schiefen, flüchtigen Blick auf seine Jüngste und erinnert sich, daß man heute in der Stube über sie getuschelt hat. Irgend eine Partie wird ihr vorgeschlagen, ein Bäckergehilfe aus Koslew, aber Schmiel-Jossje glaubt an die ganze Sache nicht. Er schüttelt den Kopf und sagt: „Uh ... uh . . . Mojd. .." (Fortsetzung folgt.) Ein Kind war krank. Aus tiefem Fieberschlaf erwacht, ward es gefragt: „Was sahst du in des Traumes Nacht?" „Ich sah die Welt. Doch war sie umgekehrt wie hier: Der Hohe sank; der Niedre schien der Höchste mir." — Mein liebes Kind, wie du sie schautest, diese Welt, so war sie wahrhaftig richtig und gerecht bestellt! Ging ein guter Mensch aus dieser Welt zum Tode ein, ist nicht er, sind wir nur zu beklagen. Ein verlorenes Juwel bleibt immer Edelstein, aber trauern wird, der es getragen. * Übertrafen von Gerhard Birnbaum