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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-02-01
Page
Seite 96 (sequence 5)
Language
German
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96 MENORAH Barfüßige Jungen mit zerrissenen Kappenschirmen, verwahrloste Mädchen mit dicken Beinchen kommen jedesmal wie von einer Hetzjagd herbeigelaufen, schwer atmend, schmutztriefend, und ihre Äuglein glänzen feucht; sie zupfen ihre Mütter an den Kleidern, sind zudringlich und fordern: „Ma—me—e es—sen ..." Von weitem hören die Töchter, wie die Mutter den Vater ruft, die Stimme überschlägt sich in den grünen Bäumen: „Schmiel-Jossje, geh essen, Schmiel-Jo—o—ossje" ... Aber der Vater hört nicht. Es gehört zu seinen Gewohnheiten, gerade in der Zeit, in der das Essen auf dem Tische steht, zwischen den grünen, am Zaune empor sprieß enden wilden Sträuchern zu verschwinden. Eine Weile später sitzt Schmiel-Jossje bei Tisch und ißt aus einer großen, dampfenden, irdenen Schüssel seine Kartoffelsuppe. Er führt den Holzlöffel gemächlich um den Rand der Schüssel und bläst bedächtig hinein mit den feuchten Lippen. In diesem bedächtigen Hineinblasen in den heißen Löffel Suppe liegt die ganze Freude seines Lebens. Schier wäre man zu glauben geneigt, daß es lange dauern würde, bis Schmiel-Jossje, unbeschrien, eine solche Schüssel verzehren wird, aber einen Augenblick später ist die Schüssel leer, rein und trocken; der blau aufgemalte Hahn blinkt aus dem Grunde hervor ... Schmiel-Jossje streicht sich den Bart zurecht und betet langsam, erleichtert und dankt Gott, daß er ihn leben läßt und ihn speiset. Die Hühner gehen faul und schläfrig ein und aus in der sommerlichen Stube. Sie gackern und lärmen, müde und sorgenvoll, mit ausgestreckten Köpfen. Eine gelbgefleckte Henne mit ausgezupften Schwanzfedern fliegt auf ein hochgeschichtetes Bett und sucht eine Stelle zum Eierlegen. Schmiel-Jossje fängt sie ein, trägt sie liebevoll und zärtlich auf beiden Händen und wirft sie in eine finstere Ofenecke. Dann nimmt er die Schaufel und geht in den Garten, der hinter dem Häuschen liegt. Gemächlich und sicher, die Jarmulka nach hinten geschoben, in bloßen Hemdärmeln, ackert er mit der Schaufel eine grasige Stelle auf und untergräbt auf den Beeten die grünen sich ausbreitenden Kräuter und jungen Pflanzen. Die feinen, zarten Blätter werden jeden Augenblick breiter und größer. Sie leuchten mit sattem Grün in den weißen, glühenden Tag hinein. Er jätet die stechenden Brennesseln und das wuchernde Unkraut aus, patscht mit der Schaufel der Breite nach auf die frische, schwarze, klebrige Erde und verscheucht eine Henne aus dem Garten.

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