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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-02-01
Page
Seite 94 (sequence 3)
Language
German
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94 MENORAH abgerackert aus. Sie windet die Faust mit dem Teig aus dem Trog, hält sie in der Luft und sagt: „Hörst, Schmiel-Jossje, die blinde Chaje war hier, sie hat, meint sie, eine Partie aus Koslew für Breindel... Hörst, Schmiel-Jossje?" Aber er hört nicht. Er steht inmitten der Stube, mit dem Kopfe bis an die blaue, zerbeulte Decke reichend und schüttet den scheinbar leeren Sack aus. Mit seinen breiten, behaarten Fingern betastet er die Knochen und Fetzen, wägt sie bedächtig auf einer automatischen Wage, die an seinem Daumen hängt und hält währenddessen ein Auge geschlossen. Dann streichelt er zärtlich das getrocknete, knirschende Hasenfell, indem er es von innen nach außen wendet, wie einen Ärmel. „Hörst, Schmiel-Jossje... Man spricht doch zu dir ... Schmiel- Jossje .. Schmiel-Jossje antwortet nicht. Langsam wendet er den Kopf und wirft einen halben, bösen Blick seiner Frau zu, die dort Dummheiten schwatzt. Es ärgert diesen alten Mann, wenn man müßige Worte macht und er glaubt an nichts mehr. Seine älteste Tochter Scheindale, ein plumpes Weib mit einer spitzen Nase und stechenden Blicken kommt hereingelaufen. Ihre schmierigen Kleider sind geschürzt und hängen eines über dem anderen auf ihrem schwangeren Bauche herab. Auf den Händen trägt sie ein verwahrlostes, mit einem kurzen Hemdchen bekleidetes Kind, dessen Kopf von blauem, dichtem Grind starrt. Ein etwas erwachseneres, barfüßiges Mädchen mit einem dünnen, blonden Zöpfchen, das einem Mäuseschwanz ähnelt, hält sich an ihrer Schürze. Scheindale tuschelt mit ihrer Mutter: „Wer? Die blinde Chajetschke? . .. Das ist mir die rechte Schadchente ... Sie kann diese mit jener Wand zusammenführen ... Ei, ei, Mutter. .. Sie ist eine Hexe und eine große Diebin." Schmiel-Jossje spitzt neugierig die Ohren und fragt: „Was gibts denn dort, was?" „Gar nichts, Vater... er will schon wissen . . . wenn du es nicht wissen wirst, wird im Himmel auch kein Loch werden." Scheindale fährt, wie es schon ihre Art ist, den Vater mit ihrem scharfen Zünglein und ihrem krummen Mundwerk an, wo hineinzugeraten es sich schwerlich lohnen würde, denn es speit unerwartet Feuer, wie eine Büchse. Auf dem Markt, beim Fleischhauer und in den Kramläden ist sie wohlbekannt, man kennt ihr Maul und ihre langen Finger und paßt gut auf .. . Scheindale kommt jedesmal zu ihrer Mutter, um einen ihrer Töpfe zu suchen. „Ich borge bei dir keine Töpfe, sie kommt schon wieder suchen...".

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