Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Kunterbunt vom Büchertisch [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 MENORAH Buche „Das tragische Lcbensgef ü h 1" (Deutsch bei Meyer & Jessen, Verlag München). Ein philosophisches System wird hier in ein literarisches Gewand gekleidet. Inhalt und gefühlsmäßige Färbung des Ganzen sind katholisch. Im Mittelpunkt seines Denkens steht jedoch weniger die Gottheil als der Mensch, der Mensch mit allen Narben des Lebenskampfes. In ihm offenbart sich die Gottheit, die der Mensch glaubt und zugleich erschafft. Manche interessante Lebensauffassung birgt dies Selbstbekenntnis eines kraftvollen Glaubensstreilers. * Aus berufener Feder erschien eine reichhaltige Darstellung der Kulturgeschichte Spaniens zur Zeit seiner höchsten Blüte. 1) r. L u d \v i g Pfand 1: ,,S p a n i s c h c Kultur n n d Sitte des 1 (>. und 17. J a h r h u n d e r t s." Verlag Josef Kösel und Friedrich Pusledl, München. Die lebensvolle Zeichnung der Regenten und ihrer Herrschaftsmelhoden, die Schilderung der Hochblüte spanischer Kunst und Literatur, der Sitten und Bräuche geben im ganzen ein anschauliches Bild vom Leben des spanischen Volkes. Das reiche Illustrationsmaterial und die kostbare Ausstattung erhöhen den Werl dieser Publikation. JEAN RICHARD BLOCH, SIMLER & CO. Roman. Vorwort von Romain Rolland. Rotapfel-Verlag. Zürich und Leipzig. Eigentlich sollte der Name Simler" im Titel fortfallen, denn nicht er ist die Hauptsache. Es handelt sich vielmehr um das ,,Co.''. genauer um einen furchtbaren Kampf zwischen beiden, zwischen einer industriellen Organisation und der Menschlichkeit ihrer (i runder. Die jüdischen Tuchfabrikanten Simler ziehen mit Kind und Kegel und allen Webstühlen aus dem Elsaß fort, nach Vendoeuvre im Westen Frankreichs. Dort beginnen sie ein neues Leben. Halb hingerissen von eigener Tatkraft, halb von den Verhältnissen gezwungen, schaffen sie sich herauf, allen Widerständen zum Trotz. Aus der allen Firma „Hippolit Simler" wird die neue „Simler & Co.". Dieses harmlose Anhängsel aber frißt allmählich auf. was von den persönlichen Simlers noch übrig blieb. Es ist der Ausdruck einer Organisation, nein, einer Maschinerie, die, zwar von Menschen geschaffen, doch eben dieselben Menschen zermalmt. Mit erschütternder Wucht ist das Ringen zwischen dem lebendigen Menschentum und der unerbittlichen Firmenorganisation gestaltet. Ferner aber gehl es hier um das Problem des Juden, der einer fremden Rasse aufgepfropft ist. Es ist von höchstem Interesse, wie die Simler langsam sich Vendoeuvre erobern und wie sie, die Eroberer, wieder langsam darin aufgehen. In der Tat, wer die unerhörte Plastik der Darstellung auf sich wirken läßt, wer von der heute seltenen Lebensnähe dieser Gestalten in Bann gezogen wird, muß Rolland beistimmen: Dieses Buch gehl uns Menschen von heute unmittelbar an und wir sollten uns alle mit ihm auseinandersetzen. GEORGES DUHAMEL, PRINZ DSCHA FF AR. Rolapfel-Verlag, Zürich und Leipzig. Dieses Buch zieht seltsam an: Es ist nicht verwunderlich, daß es in seinem Multerlande schon im zwanzigsten Tausend steht. Das kann nicht allein daran liegen, daß es Bilder aus dem französischen Tunis sind, die Duhamel erzählt. Die Wirkung wurzelt tiefer, in Duhamels ganz eigenartiger Erzählungskunst. Zunächst sind wir in Tunis und nirgends sonst. Wir sehen, wir hören, riechen und schmecken dieses Land und seine Menschen. Duhamel kennt, was er schildert. Er ist mit den feierlich-komischen Würdenträgern umgegangen, den schlauen Händlern, er war im kahlen Bergland bei den Olivenbauern, die in Höhlen wohnen, er saß neben den Richtern, wenn sie Recht sprachen, er schaute den Töpfern zu und den Tänzern, ließ sich von der Negerin ihr Leben erzählen und vom weißen Kolonisten sein Ringen mit dem Boden, er belauscht den Juden und ging mit Militärs und Ingenieuren um. Schwarze,