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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Der Zauber der Volkskunst
Date
1927-01-01
Page
58 (sequence 1)
Language
German
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DER ZAUBER DER VOLKSKUNST Von R. \V i schnitzer-Bernstein Daß die Volkskunst so wenig noch zum Gegenstand stilkritischer Untersuchung gewählt wird,liegt wohl an unserer vorwiegend entwicklungsgeschichtlichen Denkweise. Wir sind nur zu sehr geneigt, die Äußerungen der Kunst als einen Prozeß aufzulassen, der irgendwie Fortschritt bedeutet. Ob im Sinne der Differenzierung oder, im Gegenteil, der Vereinfachung, der Abstrahierung oder der Vergegenständlichung, hängt von der Geschmacksrichtung des jeweiligen Betrachters ab. Mit diesen langbewährten Maßstäben gemessen gibt aber die Volkskunst kein klares Bild ab. Sie läßt sich nicht in aufsteigender Linie darstellen, die Methode versagt offensichtlich. Eine ältere Schule operiert mit dem Begriff eines unveränderlichen Volksgeistes, gewisser künstlerischer Urformen, die von einem Volke, einer Basse immer wieder in einem sich unendlich wiederholenden Geschehen verarbeitet werden. Diese Betrachtungsweise hat immer zu Enttäuschungen geführt, wenn man die Kunst produkte verschiedener Volksstämme verglichen hat, die auf einem Territorium wohnen. Die Beeinflussung im Räume erwies sich oft als ebenso wirksam, wie die Überlieferung in der Zeit. Ein vor kurzem erschienenes Buch über einen der wichtigsten Bezirke der Volkskunst, die Ilolzarchilcktur, bricht mit den gewohnten Betrachtungsmethoden. Der Verfasser, W. R. Zalozieeky, verwirft jegliche Rassenhypothesen für die Entstehung der Holzbauformen — die jüngste ist wohl die ostarische von Strzygowsky — bestreitet auch die Geltung der organischen, genetischen Beirachtungs- und Darstellungsweise, insofern diese die Volkskunst zum Gegenstand hat. Die Volkskunst ist eben eine abgeleitete Erscheinung, die zu der großen Kunst der Städte, der Zentren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens immer in einem Abhängigkeitsverhältnis bleibt. Das Ursprünglichschöpferische, „die innere organische Entwicklungslinie fehlt ihr \ Wir müssen uns die Volkskunst etwa wie einen provinziellen Ableger denken, daher die für sie charakteristischen Anachronismen: w7as der Kunstwille der führenden Volkselemente in den Zentren geschaffen, dringt natürlich nur langsam in die Peripherie. Aber die zeitliche Verschiebung allein macht es nicht, ein anderes wichtiges Moment kommt hinzu: die hemmungslose, kritiklose Aufnahmefähigkeit für ganz heterogene Elemente. Es konnten zum Beispiel in der Holzarchilektur der

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