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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Der Anteil der Juden an der Musikentwicklung in Rußland
Date
1927-01-01
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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ANTEIL DER JUDEN AN DER MUSIKENTWICKLUNG 57 bestimmt vorhandenen, elementaren innersten Musiknatur gelingen sollte, den äußeren, bewußten, übersoliden Gestallungswillen zu besiegen. Dann wird diese glückliche, im kompliziertesten Tongewirr gleichmäßig elastisch hinfließende Feder, wie kaum eine zweite berufen sein, Entscheidendes zu geben. Über die andere Gruppe, die der bewußt jüdisch schaffenden Künstler, hat unser seinerzeitigerBericht bereits informiert. Es sei daher diesmal nur auf wenige, damals zu flüchlig erwähnte Erscheinungen verwiesen: auf den jungen Alexander W e p r i k, der, auch propagandistisch für die jüdische Musik eifrig tätig, einen internationalen Zusammenschluß aller dafür interessierten Kreise erstrebt. Als Komponist noch ziemlich am Beginn seiner Entwicklung, scheint doch seine starke Begabung schon heute zweifellos. Einem (bei Schott in Mainz erschienenen) schwermütigen, in Bralschen-Melancholik büßenden Kaddiseh- Gesang folgte eine unter aufzuckenden Klavierblitzen hinstürmende Sonate, ein fulminantes Stück, eine aufrührende Talenlprobe. Ein demnächst erscheinendes opus 11 weiß schon im voraus Spannung zu erregen, weil darin eine Vertonung chassidischer Tanzorgien versprochen wurde1. Grigory K r ein, der Bruder des sehr bekannten Alexander, ist, wenn auch nicht der nach außen leuchtendste, so vielleicht der empfindungstiefste der russisch-jüdischen Komponisten. Für einen künstlerischen Verantwortungssinn, der keine Note schreibt, zu der nicht innerster Zwang drängt, muß die Stunde des Erfolges einmal schlagen, auch wenn eine Zeitlang anpassungsfähigere Naturen ihm den Rang abzulaufen scheinen. Herr Kreiii hält sich, vor kurzem aus Rußland gekommen, momentan in Wien auf und es wäre nur primitive Ehrenpflicht der berufenen Kreise, an einem Hauptrepräsentanlen der nationalen Musikbewegung nicht achtlos vorüberzugehen. Zumal er auch einen Begleiter mitgebracht hat, mit dem zu befassen, sich schon lohnen würde: seinen 13jährigen Sohn Julien. Dieses blasse Juclenknäblein, der denkbar krasseste Gegensatz zu allem, wras man sich unter einem Wunderkind vorstellt, muß man spielen, seine eigenen Kompositionen spielen gehört haben. Wie es genial-ausdruckslos, wirklich ,,orientalisch" nach innen lebend, die ungewöhnlichsten Themen und Harmonien zu organischen Gebilden formt, sie vor dem Hörer immer wieder variierend, eigentlich komponierend, während es zu spielen glaubt. Wenn dieses Flämmchen erfüllt, wras es verheißt, wird aus ihm ein Stern aufglühen, der manches sehr hell tuende Licht unserer Tage überdauert.

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