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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Der Keller
Date
1927-01-01
Page
Seite 44 (sequence 7)
Language
German
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44 MENORAH nach, nur immer vorwärts, vorwärts, trat nur auf den Zehen auf, damit die dürren auf dem Boden liegenden Zweige nicht knackten, als gelte es, jemand zu betrügen, zum letztenmal, krampfhaft, auf diesem einzigen Wege in eine lichte Zukunft. „Wie ist Ihr Familienname? Magen?" Ja, nur fort von hier, nur vorwärts. .. ,,Golta gehört uns — die Juden euch. Los! Drauf! Nur vorwärts!" Und so war es auch. Er riß sich nach vorwärts, und der ganze, zweistündige Marsch durch den Wald schien kaum eine Minute zu dauern, die Knie gehorchten, und erst, als auf der fahlen, stahlfarbenen Oberfläche des Flusses das Fährboot sichtbar wurde, in das der Oberleutnant und Weressow sprangen — erst da begann er zu verstehen, daß ihn der Weg betrogen hatte und daß sein Betrug, den Leuten nachgeschlichen zu sein, keinen Groschen wert war. Aber es riß ihn immerzu nach vorne — und er ließ das eine Ufer hinter sich, um das andere zu gewinnen. "Oj, oj!" — Und indem er noch den Grund des Flusses abtastete, ergriff David den Bootsrand. Das Wasser reichte ihm schon bis zum Hals und die Septemberwogen schnitten ihm in die Brust, aber er konnte doch nicht ohne das andere Ufer . .. ,,Wohin, du, was fällt dir ein? .. zischte ihn der Fährmann an, und mit ängstlichem Blick tastete sein Auge das rumänische Ufer ab. Der Rechtsanwalt erhob sich und streckte den Arm aus, das Boot wankte. „Idiot!" brüllte der Oberleutnant. „Setzen Sie sich, sonst ertrinken wir noch!" Dem Fährmann aber gab er einen Schlag in den Rücken. .. „Vorwärts, Hundesohn!" Das Boot peckte mit der Nase wie ein Vogel, begann sich vorwärts zu bewegen und sauste davon. David aber glitt auf dem glitschigen Grund aus und flog, als hätte man ihn über die Schwelle des Bauernhauses in den Keller gestoßen, hinab, in die Finsternis, auf ewig . . . .. . Einmal muß doch das gelobte Land erreicht werden, unter dem altertümlichen Himmel, der ihm rechtens gebührte... und wie die Himmelswolken ineinanderliefen, so schlössen sich über ihm die Wellen des Flusses. Abend, Nacht, ein neuer Morgen — und wieder lag der Morgennebel über dem Dnjester, und wieder klopfte Granjka, Powidlas Weib, mit dem Besen auf den Fußboden, daß die neuen Flüchtlinge aus dem Keller kröchen . . .

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