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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Die Geschichte meines Taubenschlags
Date
1927-01-01
Page
Seite 37 (sequence 14)
Language
German
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FRIEDHOF IN KOSINO 37 stand gekommen, und beruhigte sich erst, als er auch noch den Bart des Toten ausgekämmt hatte. „Alle hat er beschimpft," sagte er und lächelte, während er liebevoll die Leiche betrachtete, „hätte er es mit Tataren zu tun gehabt, gewiß hätte er sie auf und davon gejagt, aber da kamen Russen und mit ihnen noch Weiber, die Russen aber verzeihen nicht gerne, ich kenne sie.. Der Hausbesorger kehrte die Sägespäne zusammen und warf die Zimmermannsschürze fort, dann nahm er mich bei der Hand. „Gehen wir zum Vater", murmelte er, mich fest an sich pressend, „dein Vater sucht dich seit früh morgens und ist halbtot vor Angst. . Und gemeinsam mit Kusma ging ich in das Haus des Steuerinspektors, wohin meine Eltern vor dem Pogrom geflohen waren. FRIEDHOF IN. KOSINO von Isaak bm Friedhof in einem Jüdischen Örtchen. Assyrien und geheimnisvolle Verwesung des Orients auf von Steppenunkraut überstandenen Feldern Wolhyniens. Abgewetzte graue Steine mit dreihundert Jahre alten Inschriften, Grober Strich von Hochreliefs, die aus Graniteinfassungen gehauen wurden. Bilder von Fisch und Lamm über totem Menschenkopf. Bilder von Rabbinern in Pelzhüten. Die Rabbiner haben Riemen um die schmalen Hüften. Und unter augenlosen Gesichtern die gewellte steinerne Linie des Bartes. Abseits, unter einer Eiche, liegt die vom Blitz zerschmetterte Gruft des Rabbi Asrael, [der von den Kosaken des Bogdan Chmjelnizki ermordet wurde. Vier Geschlechter liegen in diesem Totenmal, das kahl ist — wie die Wohnung des Wasserträgers. Und grün gewordene Tafeln singen von ihnen in beredtem Beduinengebet: „Asrael, Ananias Sohn, der Mund J . . . s. Ufa, Asraels Sohn, das Gehirn, das zum Zweikampf antrat mit der Vergessenheit. Wolf, Iljas Sohn, vor der Thora des Lebens beraubt in seinem neunzehnten Lenz. Juda, Wolfs Sohn, Rabbiner von Krakau und Prag. O Tod, o Eigennütziger, o gieriger Dieb, warum hast du uns nicht wenigstens ein einziges Mal verschont? ..." (Berechtigte Übertragung aus dem Russischen von Josef Kalmer)

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